Handelshemmnisse durch Kommunikationsfehler?

Während der Herbsttagung des Bureau of International Recycling (BIR) in Paris warf der Vorsitzende des Kunststoff-Komitees, Surendra Patawari Borad, der EU-Kommission vor, durch unglückliche Formulierungen dafür verantwortlich zu sein, dass recyclingfähigen Kunststoffen in den meisten Ländern der Erde der Marktzugang verwehrt ist.

Aufgrund der in der EU geltenden Verordnung (Nr. 1418/2007) über die grenzüberschreitende Verbringung von zur Verwertung bestimmten Abfällen in Staaten, die nicht der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) angehören, habe die europäische Behörde alle Regierungen dieser Ländergruppe anzuschreiben, erläuterte Borad (Gemini Corporation, Belgien). Sie soll über einen Fragebogen ermitteln, welche Abfälle in das jeweilige Land eingeführt werden dürfen. Die Ergebnisse dieser Befragung werden anschließend veröffentlicht, zuletzt im Juli dieses Jahres.

Bei der jüngsten internationalen Umfrage im Jahr 2013 haben den Angaben zufolge von den rund 180 angeschriebenen Ländern über 90 nicht reagiert, 14 vage geantwortet (Bangladesch lässt beispielsweise nur gemischte Abfälle zu) und lediglich 74 den Handel mit Recyclingmaterialien erlaubt. Surendra Patawari Borad vermutet, dass dies mit der Bezeichnung „Abfall“ zu tun hat, denn kein Land wolle als Deponie für europäische Abfälle dienen. Er zeigte sich enttäuscht, dass die EU-Kommission nicht mehr für die Branche tun konnte.

Die USA habe im Jahr 2012 Abfälle im Wert von 27 Milliarden US-Dollar in 160 Staaten exportiert, berichtete der Vorsitzende des Kunststoff-Komitees in diesem Zusammenhang. Die Anstrengungen der EU sieht er als eine Verschwendung von Energie an, die Verwirrung und Missverständnisse hervorgerufen hätten. Ergebnis sei, dass europäischen Unternehmen der Marktzugang in über 120 Ländern verwehrt werde, beklagte er. Borad schlug deshalb vor, die unternehmerische Energie für das verstärkte Kunststoffrecycling zu nutzen sowie die Materialqualität zu verbessern.

Der internationale Markt

Der indische Kunststoffrecycling-Markt war nach den Worten von Borad in den zurückliegenden sechs Monaten lebhaft gewesen. Er führte dies auf die Tatsache zurück, dass nur eine begrenzte Anzahl von Unternehmen über eine Importlizenz verfügt und diese Monopolstellung angesichts der erzielbaren hohen Gewinne genutzt hat. Die neue Regierung wolle die administrativen Belastungen verringern. Es sei zu hoffen, dass mehr Importlizenzen erteilt werden. Nach den Informationen des Marktkenners sind in Indien – im Gegensatz zu Sorten wie LDPE und PET – die Kunststoffe HDPE, PP und PVC nicht gefragt. Die Preise haben kürzlich – parallel zu den Notierungen für Primärware – nachgegeben. Laut Steve Wong von der China Scrap Plastics Association ist der chinesische Markt aufgrund der zurückgehenden Nachfrage von einer Abkühlung geprägt. Im Vergleich zu den Kunststoffrecyclern in den anderen Regionen Südostasiens ständen die Unternehmen in der Volksrepublik China unter dem Druck hoher Gehälter und müssten effizient arbeiten, um überleben zu können.

Nachdem auf dem europäischen Markt das dritte Quartal dieses Jahres durch eine gute Nachfrage und stabile Preise – auch aufgrund der niedrigeren Materialverfügbarkeit – charakterisiert war, hat sich die Situation im Oktober geändert, beobachtete Gregory Cardot (Veolia Propreté, Frankreich). Der Bedarf sinke und die Kunststoffverarbeiter kauften das benötigte Material „just in time“. Was die europäischen Außenhandelsaktivitäten angeht, so konnte Cardot von einer starken Nachfrage nach Kunststoffabfällen und steigenden Preisen berichten.

Brigitte Weber

Foto: Marc Szombathy

(EUR1214S15)