MBA: Ein nicht mehr zeitgemäßes Konzept?

Auf einer Regionalveranstaltung in Hannover diskutierte die Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft e.V. (DGAW)  die Zukunft der MBA im Abfallmarkt Deutschland.

Dirk Briese, Geschäftsführer von trend:research, stellte dort die gleichlautende neue Studie des Marktforschungsinstituts „Zukunft der MBA im Abfallmarkt Deutschland“ vor. Die Untersuchung analysiert rechtliche Rahmenbedingungen, Verfahren und Technologien der Abfallbehandlung, Abfallmengen und Entsorgungswege, die Marktsituation inklusive Markt- und Wettbewerbstrends sowie die Rolle von mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlagen (MBA) in der Politik. Abschließend kommt die Studie zum Ergebnis, dass das Konzept der MBA langfristig nicht mit den Zielen einer möglichst vollständigen Verwertung und der Abwendung von Deponierung zu vereinbaren sei. Sowohl das stoffliche als auch das energetische Potenzial des Abfalls werde in MBA in der Regel geringer genutzt als in Müllverbrennungsanlagen (MVA).

In ihrer heutigen Ausführung würden es MBA in den kommenden Jahren schwer haben, sich erfolgreich zu positionieren. Sie stünden vor einer geringeren Auslastung und im Wettbewerb oft hinter MVA, da sie eine geringere Verwertungsquote als MVA aufwiesen und die Kosten je Tonne behandelten Abfalls in der Regel höher seien. Es sei daher zu erwarten, dass Anlagenbetreiber auf diese Entwicklungen reagieren werden und die biologische oder mechanische Aufbereitungsstufe – zumindest zeitweise – stilllegen.

Reinvestition, Umrüstung oder Stilllegung

Ausgangspunkt der Ergebnisse der Studie ist die Feststellung, dass bei einer regulären Betriebszeit von 15 Jahren für viele MBA in den kommenden Jahren die Entscheidung anstehe, in eine Erneuerung der Anlage zu investieren oder die Kapazität vom Markt zu nehmen. Parallel sei auf Basis der aktuellen Gesetzgebung davon auszugehen, dass die Inputstoffe für die biologische Behandlungsstufe in MBA durch die Einführung der Biotonne stark reduziert werden, sodass bei vielen Anlagen Umrüstungen erforderlich werden. Zusätzlich führe die Einführung der Wertstofftonne dazu, dass sowohl der Heizwert des aufbereiteten Materials als auch der Anteil an Metall sinken, wodurch in einigen Anlagen auch die Aufbereitung in der mechanischen Behandlungsstufe unrentabel werde. Vorteile von MBA sieht die Untersuchung von trend:research in der Flexibilität bei geänderten Anforderungen des Abfallmarktes. Abhängig von den jeweiligen Standorten verfolgten die Betreiber von MBA unterschiedliche Lösungsansätze bis hin zu Teilstilllegungen der biologischen oder mechanischen Aufbereitungsstufe.

Geringere Deponate, bessere Qualität

Als wesentlichen Kritikpunkt an der MBA-Technologie stellt die Studie die Erzeugung eines Deponats heraus, das zwar die Ablagerungskriterien erfülle, jedoch im Vergleich zur thermischen Abfallbehandlung in hohen Mengen abgelagert werden müsse. Aufgrund knapper werdenden Deponieraums stelle die MBA damit keine zukunftsweisende Technologie dar. Die Autoren räumen allerdings ein, dass nicht alle MBA gleich bewertet werden könnten.

Insbesondere Anlagen, die das Verfahren der mechanisch-biologischen Stabilisierung oder der mechanisch-physikalischen Stabilisierung nutzen, könnten künftig besser im Wettbewerb bestehen, da sie nur geringe Mengen an beziehungsweise kein Deponat erzeugten und stofflich nicht verwertbares Material für die energetische Verwertung aufbereitet werde. Neben den geringen zu deponierenden Mengen würden MVA einen wesentlichen Vorteil in der direkten Wärme- und Stromerzeugung aus dem Abfall bieten. Auch die Qualität und die Quantität der recycelten Eisen- und Nichteisen-Metalle seien bei der Abfallverbrennung höher. Nach der Präsentation der Studie am 17. März 2015 auf der DGAW-Regionalveranstaltung „10 Jahre TASI – 10 Jahre MBAs – Status quo und Zukunft“ in Hannover meldete sich Dr. Ketel Ketelsen zu Wort. Und der Geschäftsführer des Ingenieurbüros für Abfallwirtschaft und Energietechnik in Hannover (iba GmbH) und Beirat der ASA e.V., in der die meisten MBA organisiert sind, widersprach trend:research-Geschäftsführer Dirk Briese: „MBA werden auch künftig eine Rolle in der deutschen Abfallwirtschaft spielen. Sie sind optimierbar und mindestens auf demselben ökologischen Niveau wie MVA.“

Im Durchschnitt, so Ketelsen weiter, deponierten MBA heute nur noch circa 20 Prozent des Inputs. Der Großteil des Outputs werde als Ersatzbrennstoff MVA und EBS-Heizkraftwerken zur Verfügung gestellt. Durch die Heizwertanreicherung bleibe der Energiegehalt erhalten. Die Überkapazität an Behandlungsanlagen zwinge die Betreiber aller Behandlungsanlagen dazu, über Umnutzung oder Teilschließung nachzudenken. MBA hätten den Vorteil, auch als Sortieranlagen oder Verwertungsanlagen für biologische Abfallströme genutzt werden zu können. Bei der Energieeffizienz sieht Ketelsen die MBA auf gleichem Niveau mit MVA; bei der Klimarelevanz schneide die MBA tendenziell sogar besser ab, da der Ersatzbrennstoff zu 50 Prozent in EBS-Heizkraftwerken mit hoher Effizienz verwertet werde.

Thomas Obermeier, Präsident der DGAW und Moderator der Veranstaltung, resümierte: „Das große Interesse an der Veranstaltung zeigt klar die Aktualität des Themas. Auch wenn Betreiber von MBA unterschiedliche Rückschlüsse aus der aktuellen Situation ziehen, zeigt sich dennoch übergreifend, dass Handlungsbedarf besteht. Als DGAW gehört es zu unseren Aufgaben, Diskussionsräume zu schaffen und durch Expertenwissen anzureichern, um Entscheidern der Branche Handlungsspielräume zu eröffnen.“

Foto: Dr. Jürgen Kroll

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