Schrottmarktbericht Mai 2015: Funktionierender Markt

Im Berichtsmonat April konnten die Schrottpreise je nach Werk und Sorte sowie ausgehend vom Preisniveau des Vormonats um durchschnittlich 10 bis zu 25 Euro pro Tonne zulegen. Die Schrottbeschaffung war für Verbraucher, die sich preislich am unteren Ende der Spanne bewegten, nicht ganz unproblematisch, da die Nachfrage zum Teil höher war als das Angebot.

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Nachträgliche Korrekturen sicherten zumindest diesen Werken die Eindeckung mit den notwendigen Mengen. Werke mit Altverträgen in den Bestellbüchern waren wenig kompromissbereit hinsichtlich des Zeitpunkts der Liefererfüllung. Die im laufenden Monat von verschiedenen Werken nach oben angepassten Einkaufspreise und das Bestehen auf Auslieferung von Altverträgen zeigten, wie sich der Markt zunehmend verfestigte. Angespannt war die Versorgungslage vor allem in Ostdeutschland. Erschwerend wirkte sich dort das im Vergleich zu Deutschland höhere innerpolnische Schrottpreisniveau aus, wodurch der Schrottzufluss aus Polen einerseits gebremst und andererseits zu den deutschen Verbrauchern gelenkt wurde, die den höchsten Preis boten. Im Osten Deutschlands wurden in diesem Monat die höchsten Preise aufgerufen. In der ehemals preis- und mengenbestimmenden Ruhrregion konnten gleich am Monatsbeginn – bei einem insgesamt nach wie vor sehr geringen Zukaufbedarf – je nach Verbraucher und Sorte Preiserhöhungen von 5 bis 20 Euro pro Tonne durchgesetzt werden. Je nach Versorgungsgrad passten Verbraucher ihre Einkaufspreise noch im laufenden Monat an und verursachten damit eine zusätzliche Schieflage im Handelsmarkt. Zudem gestaltete sich die Beschaffung dadurch nicht einfacher. Während die Schrottpreise anzogen, war es den Produzenten in diesem Monat kaum möglich, ihre Absatzpreise diesem Trend anzupassen, womit der Kostendruck insbesondere auf die Elektrostahlwerke weiter angestiegen sein dürfte.

Nachbarländer
Normalen Bedarf auf Vormonatsniveau hatten die italienischen Verbraucher. Obwohl sie unveränderte Preise angedacht hatten, mussten sie zur Deckung des Bedarfs, dem Markttrend in Drittländern und den anderen EU-Ländern folgend, die Preise je nach Sorte und Ausgangsbasis im Vormonat um 10 bis 15 Euro pro Tonne erhöhen. So wie die deutschen Kollegen mussten die italienischen Stahlhersteller um das knappe Schrottangebot konkurrieren. Wie schon im Vormonat nutzten insbesondere Verbraucher mit hohem und speziellem Bedarf für die Beschaffung der gewünschten Mengen den Seeweg. Sie bestätigten damit den auch in Deutschland und anderen Ländern zu beobachtenden Trend, für die Versorgung neben den traditionellen Quellen alternative heranzuziehen und auszuprobieren. In der Schweiz mussten die Verbraucher 10 bis 17 Euro pro Tonne mehr gegenüber dem Vormonat bezahlen. Der Zulauf wurde als ausreichend beschrieben, und die Bestandssituation soll sich entspannt haben. Französische Verbraucher erhöhten die Einkaufspreise um 15 bis 20 Euro pro Tonne und konnten über den höheren Preis zusätzliche Mengen unter anderem aus dem Westen Deutschlands generieren. Nachdem die Versorgung in Luxemburg bei zuerst in den Markt gegebenen unveränderten Preisen schleppend erfolgte, passte man sich dem Trend aus den Niederlanden und Belgien mit einer Erhöhung je nach Sorte und Verbraucher von 8 bis 15 Euro pro Tonne gegenüber dem Vormonat an. Der tschechische Inlandspreis war höher als der Angebotspreis aus Deutschland, was genau wie in Polen den Schrottzufluss automatisch reduzierte. Beobachter meldeten zudem ein für diese Jahreszeit geringeres Sammelaufkommen als sonst üblich. Die Einführung des Barzahlungsverbots im tschechischen Schrotthandel scheint sich immer noch negativ auszuwirken.

Drittlandsmarkt
Vom 23. März bis zum 20. April haben türkische Verbraucher rund 1,3 Millionen Tonnen Schrott gekauft, und dabei elf Ladungen auf dem Kontinent. Somit ordern die türkischen Verbraucher bei ihren Zukäufen nach wie vor nur die Mengen, die sie unbedingt brauchen. Eine Lagerhaltung im klassischen Sinne wird vernachlässigt. Interesse bestand verstärkt an prompten Lieferungen; und wie aus Handelskreisen bestätigt wurde, die Käufer verlangten eine zügige Abwicklung. Der Preistrend zeigt wegen der hohen Nachfrage der türkischen Werke nach oben. Dennoch ist der Preis für die Sorte HMS 1/2 (80:20) CFR Türkei aus Europa im vorgenannten Zeitraum mit 8 bis 12 US-Dollar pro Tonne nur moderat angestiegen. Die türkischen Verbraucher versuchen, die Preise möglichst unverändert zu halten, da es ihnen bisher nicht gelungen ist, die gestiegenen Schrottkosten an ihre Abnehmer weiterzugeben. Der Konkurrenzdruck im Baustahlmarkt ist so intensiv, dass statt der erhofften Preiserhöhungen Preisnachlässe gewährt werden mussten. Es gibt derzeit keine Anzeichen einer Abschwächung der türkischen Nachfrage, obwohl die Wettbewerbsfähigkeit der Elektrostahlwerke zusätzlich durch das Auseinanderdriften der Erz- und Schrottpreise stark belastet ist.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Gießereien
Wie aus Handelskreisen berichtet wurde, lässt die verbesserte Nachfrage nach Schrott darauf schließen, dass einige Gießereien optimistischer in die Zukunft blicken können, weil sich deren Auftragslage verbessert hat. Für frei verhandelte Schrottmengen bezahlten die Verbraucher je nach Region, Sorte und Werk 5 bis 15 Euro pro Tonne mehr, wobei beispielsweise die Schrottverbraucher im Osten am oberen Ende der Preiserhöhung agierten. Andere Hersteller versuchen, mit Kurzarbeit und Feierschichten auf den für sie schwachen Markt zu reagieren. Gießereiroheisen wird von den GUS-Anbietern seit der vergangenen Woche zu höheren Preisen angeboten. Die russischen Anbieter machen sich das mangelnde Angebot aus der Ukraine und die steigenden Schrottpreise zunutze. So hat zum Beispiel der größte russische Anbieter, Tulachermet, seine Exportverkaufspreise um 20 US-Dollar pro Tonne in der 16. Kalenderwoche angehoben. Da der Wert des Euro gegenüber dem US-Dollar wieder gestiegen ist, wirkt sich die Erhöhung für die Abnehmer in Euro nicht ganz so deutlich aus.

Aussichten
Die meisten der befragten Handelsunternehmen gehen von einer stabilen Seitwärtsbewegung der Preise im kommenden Monat aus. Preisrückgänge werden als vernachlässigbare Möglichkeit angesehen. Die Auftragslage insbesondere der Elektrostahlwerke steigt seit Januar und damit die Nachfrage nach Schrott. Das Schrottangebot war im Berichtsmonat knapp, und nicht alles war wie gewünscht beschaffbar, sodass möglicherweise nicht alle Werke ihren Bedarf im gewünschten Umfang decken konnten. Das vorhandene Wirtschaftswachstum wird sich mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung positiv auf den Schrottentfall auswirken. Im Bereich Altschrott ist die Sammelleistung im Frühjahr gestiegen, wenn auch nicht in dem Umfang, wie erwartet beziehungsweise angesichts der Nachfrage notwendig gewesen wäre. Zum Teil beklagt der Handel einen Rückgang des Entfalls, und zwar sowohl beim Alt- als auch beim Neuschrott. Andere Marktteilnehmer können dies nicht bestätigen. Wie lange es dauert, bis Angebot und Nachfrage wieder ausgeglichen sind, ist kaum vorherzusagen. Auf alle Fälle werden die Verhandlungen zwischen den Marktteilnehmern im kommenden Monat sicherlich intensiv geführt.

Redaktionsschluss 20.04.2015, BG-J/bvse

(Alle Angaben/Zahlen ohne Gewähr)

Foto: O. Kürth

(EUR0515S32)