Prognose: Verstärkte Altpapier-Nachfrage

Im zweiten Quartal dieses Jahres herrschten einigermaßen zufriedenstellende Bedingungen für den internationalen Altpapierhandel.

Wie im jüngsten „World Mirror on Recovered Paper“ *) des Bureau of International Recycling (BIR) gemeldet wird, könnten sich für die zweite Jahreshälfte noch bessere Absatzmöglichkeiten ergeben. Nach Einschätzung von Ranjit Baxi (J&H Sales International Ltd, Großbritannien) soll die vorhergesehene höhere Nachfrage Folge der günstigeren Wirtschaftsdaten sein, die noch in diesem Jahr für die Europäische Union sowie Schwellenländer wie China und Indien erwartet werden.

In seinem internationalen Marktbericht für den Zeitraum April bis Juni 2015 mit Schwerpunkt Asien hob Baxi unter anderem hervor, dass in den europäischen Ländern der niedrige Ölpreis in Kombination mit dem abgewerteten Euro und dem schwachen bis beständigen globalen Wirtschaftswachstum die Nachfrage stimuliert hat. Parallel hierzu schwächte sich das Wachstum in der Volksrepublik China und Indien ab, was auch die Nachfrage nach europäischem Fasermaterial beeinträchtigte. Im Laufe des Dreimonatszeitraums bewegten sich die Exportpreise aber nach oben. Kaufhausware und gemischte Papiere verteuerten sich um jeweils 20 US-Dollar pro Tonne.

Deutschland

Reinhold Schmidt (Recycling Karla Schmidt) berichtete unter anderem, dass die konstant hohe Nachfrage nach fast allen Qualitäten die niedrigen Altpapier-Sammelmengen in der Bundesrepublik überstieg. Als die Länder Frankreich, Spanien und Belgien ihre Bestellungen für Kauf­hausware intensivierten, nahm auch die Nachfrage aus den traditionellen nicht-europäischen Ländern zu, deren Order-Volumen bis dahin auf einem niedrigen Niveau verharrt hatten.

Frankreich

Mit der Situation in seinem Heimatland zeigte sich Jean-Luc Petithuguenin (Paprec) im Wesentlichen zufrieden, zumal das Kaufinteresse in den verschiedenen Märkten vorhanden war und die Preise für die meisten Sorten angezogen haben. Der Markt für Kaufhausware ist nach seinem Urteil durch eine gute Nachfrage gekennzeichnet. Käufer aus den benachbarten europäischen Ländern seien ebenfalls auf diesem Handelsplatz präsent, während der Druck aus Asien auf die Mengen und die Preise nach wie vor stark sei, so der Experte. Eine ähnliche Entwicklung sei im Markt für Deinkingware zu beobachten. Mittlerweile bewegt sich auch der Absatz höherer Qualitäten nach oben. Der Bedarf ist nach dem BIR-Bericht vor allem in Deutschland hoch. Einige Sorten sind knapper geworden und die Importe aus den USA sind aufgrund der Euro/Dollar-Wechselkurse zurückgegangen. In einigen Fällen sei es schwierig gewesen, die Nachfrage zu befriedigen, hieß es aus Frankreich.

Spanien

Laut Francisco J. Donoso (Alba Servicios Verdes S.L.) ist Kaufhausware in Spanien, aber auch in Asien, sehr begehrt. Der Marktkenner führt dies auf den niedrigeren Euro im Vergleich zum US-Dollar zurück, der seiner Meinung nach die Wettbewerbsfähigkeit der spanischen Exporteure von Papierprodukten und Sekundärrohstoffen verbesserte. Die Preise seien dieser Entwicklung gefolgt und um rund 30 Prozent gestiegen. Wie Donoso weiter berichtete, werden auf der iberischen Halbinsel freiwillige Sammlungen durch „freie Vermittler“ (free agents) immer wichtiger, da sie häufig die offiziellen kommunalen Kanäle ersetzen und die Effizienz im Hinblick auf die Mengen erhöhen. Dies ist seiner Meinung nach nur möglich, weil Spanien noch mit der Finanzkrise zu kämpfen hat und von den Recyclingunternehmen hohe Preise gezahlt werden. Die schlechten Arbeitsbedingungen der Sammler seien die andere Seite der Medaille. Auch in Spanien haben sich für Deinkingware die Marktbedingungen gegenüber dem vorhergehenden Quartal gewandelt, denn das Kaufinteresse ist stark gewachsen. Der Preisanstieg setzte im zweiten Quartal jedoch verzögert ein und fiel nicht so hoch aus wie bei Kaufhausware. Weiße Sorten blieben begehrt und notierten ebenfalls etwas höher.

*) Im Folgenden wird die Situation in einigen ausgewählten Ländern wiedergegeben.

Foto: O. Kürth

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