Die Schrottbetriebe sollten sich breiter aufstellen

In seiner Antrittsrede auf der BDSV-Jahrestagung 2015 in Magdeburg schwor der neu gewählte Präsident der Vereinigung, Andreas Schwenter, die Mitglieder darauf ein, für den Erhalt der unternehmerischen Freiheit und den Mittelstand zu kämpfen. Ein staatliches Recyclingsystem dürfe es nicht geben. Angesichts der extrem schwierigen Marktlage, die voraussichtlich auch 2016 anhält, sollen die Stahlrecycler stärker in die Verbandsarbeit eingebunden werden. Kein anderer Sektor der Kreislaufwirtschaft verzeichnet derzeit mehr Umsatz- und Ertragseinbrüche. Die Schrottbetriebe sollten sich breiter aufstellen.

Eines musste Heiner Gröger zum Abschied nach sechs Jahren als Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen e.V. (BDSV) noch ins Stammbuch schreiben – auch weil es in einer Pressemitteilung des Verbandes zur Jahrestagung am 25. und 26. November in Magdeburg zu lesen war: „Ich bin kein Schwabe, sondern ein Hohenloher, und das ist ein himmelweiter Unterschied.“ Stimmt: In Baden-Württemberg werden nicht nur schwäbisch-alemannische Dialekte gesprochen. Und in der „erst“ seit 1806 zum Land dazugehörenden Region Hohenlohe – wenn auch rückläufig und vom Schwäbischen verdrängt – eben Hohenlohisch, eine ostfränkische Mundart.

Andreas Schwenter, der neue Präsident der BDSV (Foto: Marc Szombathy)

Andreas Schwenter, der neue Präsident der BDSV (Foto: Marc Szombathy)

Unverkennbar ein Bayer ist Andreas Schwenter, der neue Präsident der BDSV. Der gebürtige Münchner, der kürzlich seinen 50. Geburtstag feierte, wurde in der Mitgliederversammlung einstimmig und ohne Gegenkandidaten gewählt. Andreas Schwenter ist seit 1999 geschäftsführender Gesellschafter der Frimberger GmbH, einem mittelständischen Stahlrecyclingunternehmen mit Sitz im oberbayerischen Bad Tölz. Gleichzeitig ist er für die Thyssen Alfa Gruppe beratend tätig. Im Verband engagiert sich der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann schon seit über 20 Jahren. Von 2003 bis 2006 leitete er hier den sogenannten Juniorkreis. Seit zweieinhalb Jahren ist er Vorsitzender der BDSV-Landesgruppe Süd.

Ebenfalls einstimmig fiel das Votum für Stephan Karle (39) aus, der Ulrich Althoff als Vizepräsident ablöst und in dritter Generation die Geschäfte der Karle Recycling GmbH in Stuttgart führt. Ulrich Althoff selbst kandidierte nur als einfaches Präsidiumsmitglied – mit Erfolg. Und Günter Gottschick, der bereits seit 2003 Schatzmeister der BDSV ist, wurde – wie nicht anders zu erwarten – in seinem Amt bestätigt. Für Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sind fortan Verena Köttker und Cord C. Schulz zuständig. Der Verband  will noch präsenter in Politik, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft werden.

„Unser Anspruch ist etwas zu bewegen“

In seiner Antrittsrede schwor Andreas Schwenter die Mitglieder darauf ein, für den Erhalt der unternehmerischen Freiheit und den Mittelstand zu kämpfen: Die Kommunen und ihre Interessenverbände wollten ein völlig anderes, nämlich staatliches Recyclingsystem. Es sei aber nicht die Aufgabe des Staates, private Unternehmen aus dem Markt zu drängen und Arbeitsplätze zu vernichten, so der neue BDSV-Präsident. Seit Jahren sehe sich die Branche einem immer stärkeren Druck zur Verstaatlichung ausgesetzt. Der dramatische Verfall der Rohstoffpreise bedrohe zudem die Unternehmen in ihrer Existenz. Gebraucht werde ein Staat, der Eigeninitiative fördert und die Branche nicht durch immer mehr Auflagen und Belastungen an der Rand der Wirtschaftlichkeit drängt.

Sechs Jahre mit Herzblut im Amt: BDSV-Altpräsident Heiner Gröger (Foto: Marc Szombathy)

Sechs Jahre mit Herzblut im Amt: BDSV-Altpräsident Heiner Gröger (Foto: Marc Szombathy)

Schwenter will zur Lösung dieser Probleme die Mitglieder stärker in die Verbandsarbeit einbinden und auch auf regionaler Ebene gegenüber der Politik mehr Präsenz zeigen: „Unser Anspruch ist, etwas zu bewegen. Ich möchte unsere Mitglieder dazu mitnehmen, in die Zukunft zu schauen. Wir haben ein Produkt, das gefragt ist in der Welt. Und es wird auch wieder Wachstum geben. Aber wir müssen was dafür tun. Vor zwei Wochen“, erzählte Schwenter folgende Anekdote, „habe ich in München einen Kindergarten eröffnet und dabei zwei Kindern zugehört, die sich unterhalten haben. Fragt das eine: Sag mal, wirst du auch von deinen Eltern großgezogen. Antwortet das andere: Nein, ich wachse von ganz alleine. Das wird bei uns nicht so sein.“ Die Schrottbetriebe, ist Schwenter überzeugt, könnten auf Dauer nicht reine Schrottbetriebe bleiben. Sie müssten sich breiter aufstellen, um gravierende Ausschläge in der unternehmerischen Umsatz- und Gewinnentwicklung abfedern zu können. Der Verband will hier das betriebswirtschaftliche Schulungsangebot ausbauen und erweitern. Vor allem die kleinen Unternehmen sollen davon profitieren und in der Praxis unterstützt werden. Auf die BDSV-Geschäftsstelle kommen demnach weitere Aufgaben zu.

Dazu gehört auch, das Image der Branche aufzuwerten. Der Händler mit der Glocke – das war einmal; die Betriebe werden hochmodern geführt. Und Schrott ist nicht Müll. Der Branche hafte aber immer noch das Etikett an, nicht umweltgerecht zu arbeiten. Einzelfälle krimineller Machenschaften würden aufgebauscht und die ganze Branche unter Generalverdacht gestellt und in Mithaftung genommen, beklagte der scheidende BDSV-Präsident Heiner Gröger beim Presselunch vor der Mitgliederversammlung mit Vertretern der Fachpublikationen. Dies gelte es zu ändern. Der Verband kündigte außerdem eine Kampagne gegen das Wertstoffgesetz an. Laut BDSV-Hauptgeschäftsführer Dr. Rainer Cosson wäre es für die Branchenvereinigung nicht die schlechteste Lösung, wenn das Vorhaben politisch fallengelassen würde. Und die Chancen dafür seien ganz gut, da sich eine heftige Kontroverse entwickelt habe und hier die „Streithähne“ kaum unter einen Hut zu bringen seien. Dr. Cosson: „Sollten sich die Kommunen am Ende des Gesetzgebungsprozesses durchsetzen, hätten wir ein Problem bei den gewerblichen Sammlungen.“

Michael Mett, Dr. Rainer Cosson und Heiner Gröger beim Presselunch (v. l.) (Foto: Marc Szombathy)

Michael Mett, Dr. Rainer Cosson und Heiner Gröger beim Presselunch (v. l.) (Foto: Marc Szombathy)

Sekundärstahl rechnet sich immer weniger   

Anlässlich der Jahrestagung in Magdeburg legte die BDSV die Ergebnisse ihrer traditionellen Unternehmensumfrage (550 Mitgliedsbetriebe) zur Marktlage der Stahlrecycler vor, die sich als extrem schwierig darstellt. Kein anderer Sektor der Kreislaufwirtschaft verzeichnet derzeit mehr Umsatz- und Ertragseinbrüche, wie zu erfahren war. Nicht wenige Unternehmen schreiben Verluste. Der Ertrag der Branche ist nach Auskunft von Heiner Gröger in den letzten fünf Jahren um zwei Drittel gesunken, wobei diejenigen Stahlrecyclingunternehmen, die breiter aufgestellt und zum Beispiel auch im Altpapier- oder Gewerbeabfallbereich tätig sind, das besser verkraften und kompensieren können.

Die Erkenntnisse im Einzelnen: Die Stahl- und Metallrecyclingbranche befindet sich seit 2009 in einem kontinuierlichen Abwärtstrend. Gegenwärtig sehen sich die in der Mehrheit mittelständisch geprägten Betriebe in Deutschland im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftskrisen in Europa, der Türkei und Asien, sich verschärfenden rechtlichen Rahmenbedingungen (Kreislaufwirtschaftsgesetz, Umsetzungsvorschriften der Industrie-Emissions-Richtlinie, TA-Luft) und einem drastischen Verfall der Eisenerz- und Legierungspreise (zum Beispiel Nickel, Chrom und Molybdän) sowie der Kokskohlepreise, wodurch sich die Herstellung von Stahl aus Sekundärmaterial immer weniger rechnet.

China drückt auf die Preise

Seit der Finanzkrise wurden in der Europäischen Union über zehn Millionen Tonnen Rohstahlkapazität stillgelegt. In Deutschland ging der Einsatz von Stahlschrotten zur Erzeugung von Rohstahl in 2007 von 21,74 Millionen Tonnen auf 19,12 Millionen Tonnen zurück, was zu einer Welle von Betriebsschließungen und Übernahmen führte. In der EU verringerte sich der Einsatz um fast ein Viertel (minus 22 Prozent) auf 91,3 Millionen Tonnen. Der Anteil der Erzeugung von Stahl in Elektrostahlöfen, der zu 100 Prozent auf Schrott basiert, ist in den letzten Monaten deutlich unter das Niveau von 30 Prozent gesunken. Auch der Einsatz von Schrott als Kühlschrott in Oxygen-Verfahren ist derzeit rückläufig.

Der Export von Schrotten aus der Europäischen Union in die Türkei – in der Vergangenheit der größte Importeur – sank im ersten Halbjahr 2015 auf nur noch 4,4 Millionen Tonnen. Das sind 13 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Branche leidet dabei unter den massiven Importen billigen Stahls – vor allem Knüppel und Eisenschwämme, die zu Dumpingpreisen verkauft werden –, der nach EU-Wettbewerbsrecht nicht legal ist. Der Markt in Europa wird regelrecht überschwemmt. Im September erreichten hier die Ausfuhren einen neuen Rekordwert. Auf das Gesamtjahr 2015 bezogen könnten 134 Millionen Tonnen Stahl China verlassen – so viel wie noch nie. Die Volksrepublik hat enorme Stahl-Überkapazitäten und drückt auf die Preise.

Günter Gottschick überreicht Heiner Gröger die BDSV-Ehrennadel (Foto: Marc Szombathy)

Günter Gottschick überreicht Heiner Gröger die BDSV-Ehrennadel (Foto: Marc Szombathy)

Trend zurück zum Primärrohstoff

Durch den dramatischen Verfall der Eisenerzpreise ist die Stahlproduktion im Primärverfahren sehr günstig. Das Investmentbanking- und Wertpapierhandelsunternehmen Goldmann Sachs spricht in diesem Zusammenhang von einer „existentiellen Krise“ und rechnet mit einem Abrutschen des Eisenerzpreises auf 40 US-Dollar pro Tonne bis 2017 – von noch 140 US-Dollar pro Tonne Anfang des Jahres 2015. Der Nickelpreis an der London Metal Exchange (LME) ist seit April 2010 von 27.500 US-Dollar um mehr als 60 Prozent auf Preise von unter 10.000 US-Dollar gefallen. Der ökonomische Vorteil von Stahl und Edelstahl aus Sekundärmaterial wird daher – trotz der erheblichen ökologischen Vorteile – immer kleiner. Wie Heiner Gröger beim Presselunch erläuterte, wird der Eisenerzpreis von den großen Anbietern künstlich niedrig gehalten, um die kleinen Anbieter vom Markt zu fegen. Der Eisenerzpreis habe mit Angebot und Nachfrage nichts zu tun. So gesehen sei der Schrottpreis zum Eisenerzpreis zu hoch. Es gebe dadurch den Trend zurück zum Primärrohstoff, der gesellschaftlich eigentlich überwunden schien. Die BDSV schätzt die Überkapazitäten im deutschen Schrottmarkt auf rund 20 Prozent.

Im ersten Halbjahr 2015 kauften die deutschen Gießereien fast 13 Prozent weniger Schrotte an und die Stahlwerke fast viereinhalb Prozent. Der im Auftrag des Verbandes ermittelte durchschnittliche Lagerverkaufspreis für eine Tonne Stahlneuschrott der Sorte 2/8 sank von 226 Euro im Januar auf 137 Euro im Oktober 2015 – ein Rückgang um 27 Prozent. Experten im Weltstahlverband gehen jedoch davon aus, dass die globale Nachfrage nach Stahlschrott zwischen 2014 und 2019 – vor allem in China, der Türkei und NAFTA-Staaten – kontinuierlich um 110 Millionen Tonnen oder 18 Prozent ansteigen wird. Und die Einsatzmöglichkeiten von Stahl – ist sich auch die BDSV sicher – werden nicht weniger, sondern nehmen eher zu. Zu nennen sind hier die großen Infrastruktureinrichtungen, die Deutschland für die Energiewende benötigt.

Präsidiumsmitglied Michael Mett (TSR Recycling GmbH & Co. KG) dämpfte aber zugleich Erwartungen an eine rasche Belebung des Exportgeschäfts: Nicht nur die deutsche Branche leide unter dem geringen Schrottaufkommen, in vielen Ländern kehre weniger Schrott in den Zyklus zurück. Ein Grund dafür ist der Ölpreisverfall in 2015, der in diesem Jahr anhalten könnte. In den USA zum Beispiel wurden deshalb viele Projekte in der Ölindustrie nicht realisiert und gestoppt. Und damit ging auch der Verbrauch an Stahl einher. Da der internationale Stahlschrottmarkt in US-Dollar dargestellt wird, wird auch viel davon abhängen, wie sich dieser entwickelt. „Wir haben innerhalb eines Jahres einen Dollarverfall von 20 Prozent erlebt“, hob Mett im Pressegespräch hervor. Durch den Syrienkonflikt hat zudem die Türkei als wichtiges Stahlschrott-Importland einen bedeutenden Teil ihres Absatzgebietes verloren. Der Stahl kann nicht in die Kriegsländer geliefert werden. Die Produktivität wurde folglich runtergefahren.

BDSV-Geschäftsführer Ulrich Leuning (Foto: Marc Szombathy)

BDSV-Geschäftsführer Ulrich Leuning
(Foto: Marc Szombathy)

Ein Thema, das neu erfunden werden muss

Entscheidend für mehr Schrott im Markt wird auch die Entwicklung bei der Altfahrzeugverwertung sein. Dabei muss das Thema „Verwertungsnachweis“ mit den Worten von BDSV-Geschäftsführer Ulrich Leuning neu erfunden werden. Mit dem Online-Abmeldeverfahren seit 1. Januar 2015 setzte die Bundesregierung seiner Meinung nach noch eine „weitere Störung drauf“. Am Umstand, dass nach wie vor viele Altfahrzeuge Deutschland verlassen, habe sich nichts geändert. Ulrich Leuning: „Wir haben ein Delta von 1,2 bis 1,4 Millionen Fahrzeugen, von denen niemand weiß, wo diese geblieben sind. Darin mögen auch statistische Ungenauigkeiten sein. In den Anlagen unserer Mitgliedsunternehmen kommen jedenfalls nur 500.000 Fahrzeuge von etwa 3,2 Millionen an, die endgültig stillgelegt wurden, wobei aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht eindeutig bekannt ist, dass die Fahrzeuge stillgelegt wurden. Das ist eine reine Hochrechnung, die auf Statistiken des Erhebungsvorjahres beruht.“

Beim Online-Abmeldeverfahren wurde die Implementierung des Verwertungsnachweises einfach vergessen. Anders als früher in der Kfz-Zulassungsstelle können die Bürger nur „außer Betrieb gesetzt“, aber nicht „endgültig außer Betrieb gesetzt“ angeben. Dem Abmelder steht es überhaupt frei, ob er dem Kraftfahrzeugbundesamt mitteilt, was mit seinem Fahrzeug passiert. Das System erweist sich als chaotisch; bei der Behörde kommen nur 50.000 Belege einer Verwertung an. Leuning berichtete von einem Gespräch mit den Bundesministerien Verkehr und Umwelt, das bei ihm den Eindruck hinterließ, die Verantwortlichen wollen sich aus ihrer Verantwortung stehlen. Lediglich zu folgendem Verfahren konnte man sich durchringen: Der Bürger soll jetzt bei der Abmeldung die Betriebsnummer des Verwerterbetriebs, die auf dem Verwertungsnachweis steht, eintragen und das Datum des Verwertungsnachweises. Geprüft wird noch die Möglichkeit, die Meldung direkt von den Verwerterbetrieben aus an das Kraftfahrzeugbundesamt zu machen.

Was das Bauchgefühl sagt

Hinsichtlich der Geschäftslage 2016 rechnen 72 Prozent der befragten BDSV-Mitgliedsunternehmen mit einer weiteren Verschlechterung und lediglich sechs Prozent mit einer Verbesserung. Als Reaktion auf den Markt und den steigenden Verdrängungsdruck durch die Wirtschaftsbetriebe der Kommunen – wie er in der Branche empfunden wird – gab ein Drittel der Stahl- und Metallrecycler (33 Prozent) an, Arbeitsplätze abbauen zu müssen. Nur zwei Prozent wollen in diesem Jahr Personal einstellen. Und ähnlich zurückhaltend sind die Investitionsplanungen: Gerade mal fünf Prozent der Unternehmen wollen in 2016 mehr investieren – 22 Prozent weniger als noch im Vorjahr. 49 Prozent der Betriebe wollen ihre Investitionen dagegen zurückschrauben. „In dieser Situation“, kommentierte Dr. Cosson abschließend, „können die Betriebe nicht noch ein Dutzend neuer gesetzlicher Auflagen schultern. Die Politik muss sich entscheiden, ob sie sich für fairen Wettbewerb und den Erhalt von Arbeitsplätzen einsetzen will.“ Zusätzliche und auch überzogene bürokratische Hemmnisse gefährdeten die Existenz der ohnehin schon belasteten Unternehmen der Recyclingwirtschaft.

Bleibt noch die Frage, was insbesondere mit den kleinen Schrottbetrieben wird, sollte die Krise weiter andauern? An ein Firmensterben glaubt Heiner Gröger nicht, und eine Konsolidierung würde mehr in den Großbetrieben vonstattengehen. „Die kleinen Mittelständler wird man immer brauchen, weil die ganz Großen den Markt nicht abdecken können. Und die sind in der Regel vom Eigenkapital her besser ausgestattet als die Großkonzerne“, vertraut der Altpräsident der BDSV darauf, dass der Markt nicht zwei Jahre lang so weitergeht: „Unser Bauchgefühl sagt uns, dass es besser wird.“ Laut Michael Mett hemmt die Preisfindung derzeit Übernahmen und damit schnelle Konsolidierungsprozesse. Die Käufer seien nicht bereit, die Preise zu zahlen, die sich die Anbieter vorstellten. Aufgrund der Ergebnisse seien sie nicht nachprüfbar.

„Nicht an Zahlen kleben“

Für Irritationen bei den Mitgliedern im Verband sorgt die Ankündigung der Wirtschaftsvereinigung Stahl, die Ermittlung und Publikation der durchschnittlichen Stahlschrott-Einkaufspreise zum Jahresende 2015 einzustellen (Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der 14. Dezember 2015). Dies bedeutet, dass die Preisbasis, die auch in sehr vielen Schrottentsorgungsverträgen zugrunde gelegt worden ist, entfällt. Die BDSV-Geschäftsführung hat seit Bekanntwerden auf diesen Umstand hingewiesen, wertet ihn aber als nicht problematisch.

In ihrem Geschäftsbericht gegenüber der Mitgliederversammlung auf der Jahrestagung in Magdeburg gaben Dr. Rainer Cosson und Ulrich Leuning zu bedenken, dass sich die Preisbasis am Markt bildet: „Wir sollten den Handel wieder mehr in den Vordergrund rücken und nicht an Zahlen kleben. Durch dieses Klammern an den Durchschnittspreis haben viele Unternehmen auch Geld verloren.“ Der Verband hat längst ein eigenes Preisangebot für sämtliche Schrottsorten erstellt, das Mitglieder wie Nicht-Mitglieder nutzen können. An die BDSV werden hier von den Handelsunternehmen im Verband die Lagerverkaufspreise und Werksabschlüsse gemeldet und daraufhin veröffentlicht. „Wir veröffentlichen nur bundesweite Durchschnittspreise über eine neutrale Meldestelle. Das ist kartellrechtlich alles belastbar“, unterstrich Ulrich Leuning die Seriosität des Dienstes.

Foto: Marc Szombathy

Foto: Marc Szombathy

Ein Präsident zum Anfassen

Mit großem Applaus verabschiedeten die Mitglieder dann den scheidenden BDSV-Präsidenten Heiner Gröger, der sich nach zwei Amtsperioden von 2009 bis 2015 aus unternehmerischen Gründen nicht mehr um das Ehrenamt beworben hatte. Der 63jährige will seine 25jährige Tochter auf die Nachfolge in der Geschäftsführung seiner Firma vorbereiten, weshalb auch eine andere Funktion im Verband für ihn erst einmal nicht in Betracht kommt. BDSV-Schatzmeister Günter Gottschick würdigte in seiner Laudatio das Engagement für den Verband und die Belange der gesamten Stahlrecyclingbranche: „Heiner Gröger war ein Präsident zum Anfassen, der immer den Kontakt zu den Mitgliedern gesucht und sich mit Herzblut für deren Interessen eingesetzt hat. Und das zusammen mit einer schlagkräftigen Geschäftsstelle, wie sie auf sein Betreiben hin aufgebaut wurde.“

Sichtlich gerührt bedankte sich Heiner Gröger für das in sechs Jahren gemeinsam Erreichte und ausdrücklich bei Andreas Schwenter, der sich dazu bereiterklärt hat, ein Amt zu übernehmen, das nicht zu unterschätzen sei: „Ich bin sehr gerne Präsident der BDSV gewesen und hätte auch weitergemacht, wenn sich kein so guter Nachfolger gefunden hätte. Wir sind weit weg von den Zeiten, in denen die Präsidenten eines Verbandes Frühstückspräsidenten gewesen sind. Der Präsident muss sich voll einbringen, genauso wie die Geschäftsführung. Dass Andreas Schwenter für unseren Verband und seine Mitglieder der richtige Mann ist, daran gibt es für mich keinen Zweifel.“ Glück auf dem neuen Präsidenten der BDSV!

Foto: Marc Weigert

(EUR0116S10)