Grundlagen für nachhaltige Elektromobilität
Das Forschungsprojekt „ReDriveS“ mit 25 Partnern aus Industrie, Mittelstand und Wissenschaft startet in die Umsetzungsphase. Entwickelt werden ökonomisch tragfähige und ökologisch vorteilhafte Kreislaufwirtschaftslösungen für elektrische Achsantriebe. Durch automatisierte Demontageprozesse, innovative Recyclingverfahren für Seltene-Erden-Magnete und den Einsatz digitaler Zwillinge sollen branchenübergreifende Grundlagen für eine nachhaltige Elektromobilität geschaffen werden.
„ReDriveS“ adressiert drei zentrale Leitthemen der Mobilitätswende: Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Systemfähigkeit. Im Fokus stehen dabei die Entwicklung automatisierter, robotergeführter Demontagesysteme für elektrische Achsantriebe, Recyclingprozesse für Seltene-Erden-Magnete (NdFeB) und andere strategische Materialien, sowie der Aufbau eines digitalen Ökosystems mit digitalen Zwillingen für herstellerübergreifende Datennutzung. Das Projekt will maßgeblich zur Resilienz der Wertschöpfungskette in der Elektromobilität beitragen, um künftige Recyclingquoten zu erfüllen und den CO₂-Footprint von Elektrofahrzeugen zu reduzieren.
Koordiniert wird das Projekt mit einer Laufzeit von 36 Monaten von der Schaeffler AG und gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE). Die Projektträgerschaft übernimmt die TÜV Rheinland Forschungs- und Innovationsmanagement GmbH. Zum offiziellen Auftakt am 12. und 13. Januar 2026 trafen sich über 80 Teilnehmende des Konsortiums am Schaeffler-Standort in Herzogenaurach. Mit seiner Kombination aus Automatisierung, Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft steht ReDriveS exemplarisch für die Transformation der deutschen Automobilindustrie hin zu nachhaltigen, datengetriebenen und ressourceneffizienten Produktionssystemen. Die Ergebnisse des Projekts sollen nach Abschluss in industrielle Anwendungen überführt und als Branchenlösung für OEMs, Zulieferer und Recycler nutzbar gemacht werden.
Digitaler Zwilling aus dem Fraunhofer LBF
Als zentraler Partner entwickelt das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF einen digitalen Zwilling, der den Zustand elektrischer Achsantriebe und die zu erwartende Restnutzungsdauer ihrer Komponenten zuverlässig bewertet. Dafür verknüpft das Fraunhofer LBF Daten aus Entwicklung, Herstellung und Betrieb mit zielgerichteten End-of-Life-Prüfungen und überführt sie in belastbare Zustands- und Lebensdauermodelle. Auf Basis ausgewiesener Kompetenzen in Systems Engineering, Struktur- und Systemsimulation sowie Schädigungs- und Ermüdungsberechnung kombiniert das Fraunhofer LBF physikalische und datenbasierte Modellierung zu einem ganzheitlichen Bild von Degradation und Nachnutzungspotenzial. Damit schafft das Institut die Entscheidungsgrundlage für effiziente Zerlegung, Wiederverwendung und eine wirtschaftliche Kreislaufführung elektrischer Achsantriebe.
Prof. Dr. Thilo Bein aus dem Fraunhofer LBF: „Innovationen hin zu einer Kreislaufwirtschaft sind für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie von entscheidender Bedeutung und ein wesentlicher Aspekt der zukünftigen europäischen Forschungsstrategie. ReDriveS trägt als deutscher Leuchtturm nicht nur entscheidend zur Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft der europäischen Automobilindustrie bei, sondern bereitet die Basis für eine Skalierung in Form von europäischen Pilotlinien, wie sie aktuell im Rahmen der zukünftigen Automotive Joint Undertakings angedacht sind.“
schaeffler.com, lbf.fraunhofer.de
(Erschienen im EU-Recycling Magazin 03/2026, Seite 31, Foto: ReDriveS)








