Niedrigwasser: Stresstest für die industrielle Infrastruktur
Das Niedrigwasser auf Rhein, Donau und Oder in diesem Sommer gefährdet die Rohstoffversorgung der deutschen Stahlindustrie. Auf Teilstrecken der Wasserstraßen ist die Güterschifffahrt schon zum Erliegen gekommen.
Das Ausweichen auf Schiene oder Straße ist nach Einschätzung von Experten keine Lösung: Die Schiene kämpft bereits im Regelbetrieb mit Kapazitäts- und Wagenproblemen, der Lkw-Verkehr kann die großen Tonnagen weder wirtschaftlich noch infrastrukturell auffangen. Ein einziges Binnenschiff ersetzt eine Vielzahl von Lkw-Fahrten – fällt es aus, drohen mehr Straßenverkehr, höhere Emissionen und zusätzliche Belastung der Infrastruktur. Die Verbände BDSV, bvse und VDM fordern zur Lösung von der Politik:
- die beschleunigte Sanierung der Bundeswasserstraßen, u. a. Abladeoptimierung am Mittelrhein und Engpassbeseitigung an der Donau
- eine bundesweite Niedrigwasserstrategie, die über den Aktionsplan „Niedrigwasser Rhein“ hinausgeht und Oder, Elbe sowie weitere Wasserstraßen einbezieht
- eine verlässliche Finanzierung und ausreichend Personal für die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung, mit beschleunigten Genehmigungsverfahren
- bessere hydrologische Prognosen und frühzeitige Koordination zwischen Verladern, Häfen, Bahn und Industrie unter Federführung des Bundesverkehrsministeriums
- die gezielte Förderung niedrigwassergeeigneter, emissionsarmer Binnenschiffe
- eine faire Verteilung der Mehrkosten entlang der Wertschöpfungskette statt einseitiger Belastung der Recyclingunternehmen.
„Das aktuelle Niedrigwasser ist kein isoliertes Wetterereignis, sondern ein erneuter Stresstest für die industrielle Infrastruktur Deutschlands“, erklären BDSV, bvse und VDM. Die klimaresiliente Ertüchtigung der Wasserstraßen müsse als Teil der Rohstoff-, Industrie- und Kreislaufwirtschaftspolitik verstanden werden.
(Erschienen im EU-Recycling Magazin 09/2026, Seite 4, Foto: O. Kürth)





