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Studie zu Recycling von PET-Schalen zeigt Handlungsbedarf

Forum Rezyklat veröffentlicht Ergebnisse zu Recyclingkapazitäten, Sortierung und Design für Recycling.

Ob für Obst und Gemüse, Wurst- und Käsewaren oder Ready-to-Eat-Produkte: PET-Schalen sind weit verbreitet. Gleichzeitig weisen sie im Vergleich zu anderen Kunststoffverpackungen eine deutlich geringere werkstoffliche Recyclingquote auf, während mittlerweile Technologien für ihre Sortierung und ihre Rückführung in den Materialkreislauf zur Verfügung stehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zum Recycling dieser Verpackungsform aus Polyethylenterephthalat (PET) in Deutschland und Europa. Initiiert hat sie das Forum Rezyklat unter Beteiligung der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V.. Durchgeführt wurde sie vom Institut cyclos – HTP, der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung und dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP.

Die Untersuchung analysiert das Marktaufkommen von PET-Schalen, bestehende Sammel-, Sortier- und Recyclingstrukturen sowie die Voraussetzungen für ein Tray-to-Tray-Recycling im Kontext der europäischen Verpackungsverordnung (PPWR). Mit einem Marktaufkommen von rund 144.000 Tonnen PET-Schalen im Jahr 2024 ist Deutschland der größte Einzelmarkt Europas. Für die insgesamt 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU-27) beziffert die Studie das Aufkommen auf rund 824.000 Tonnen. Gleichzeitig zeigt sie einen Trend von Multilayer- zu Monolayer-Strukturen, die günstigere Voraussetzungen für das Recycling schaffen.

Kapazitätsausbau für Recycling at Scale
In Deutschland werden derzeit rund 18 Prozent der PET-Schalen zu neuem Rezyklat verarbeitet. Bei Kunststoffverpackungen insgesamt sind es rund 52 Prozent. Um die PPWR-Anforderungen an ein Recycling at Scale – also Recycling in industriellem Maßstab – zu erfüllen, wären europaweit ab 2035 Recycling-Inputkapazitäten von rund 697.000 Tonnen pro Jahr erforderlich. Das bedeutet, dass europaweit deutlich mehr PET-Schalen erfasst und sortenrein sortiert werden müssen, um diese Menge überhaupt bereitzustellen. Den heute installierten Kapazitäten von etwa 235.000 bis 250.000 Tonnen steht damit eine rechnerische Lücke von rund 454.000 Tonnen gegenüber. Das entspricht der Leistung von etwa sechs bis acht Großanlagen.

Hemmnisse für den Ausbau der Recyclingleistungen sind laut der Untersuchungen unter anderem das Zusammenspiel von Investitionsentscheidungen und verfügbaren Materialströmen, die derzeitigen Preisunterschiede zwischen Primär-PET und Rezyklat sowie fehlende langfristige Abnahmeverträge. „Die Studie bietet einen belastbaren Überblick, der die aktuellen Herausforderungen verdeutlicht und Lücken klar identifiziert. Entscheidend ist jetzt, die identifizierten Handlungsfelder gemeinsam entlang der Wertschöpfungskette anzugehen“, erklärt Lisa Marie Ruffert, Circular Consultant bei BellandVision und Leiterin des Arbeitspakets PET-Schalen des Forum Rezyklat.

Design for Recycling bietet konkrete Ansatzpunkte
Die Forschungsnehmer haben eruiert, dass moderne Sortiertechnologien – etwa eine zusätzliche, KI-gestützte Bilderkennung in Kombination mit Nahinfrarot-Sensorik (NIR) speziell für PET-Schalen – bereits verfügbar sind, bislang jedoch nicht flächendeckend eingesetzt werden. Zudem empfiehlt die Studie harmonisierte Sortierstandards sowie eine klare Trennung zwischen PET-Lebensmittelverpackungen und PET-Non-Food-Verpackungen als eigener Sortierfraktion, um die Qualität der Eingangsmaterialien für das Recycling zu verbessern.

Auch die Gestaltung der Verpackungen beeinflusst die Voraussetzungen für einen geschlossenen Materialkreislauf. Als sogenannte No-Regret-Empfehlungen nennt die Studie unter anderem den Verzicht auf Direktdruck der Schalen, den Einsatz von Siegelfolien aus Polyolefinen sowie kleinflächige Wash-off-Etiketten. Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass beide PPWR-Anforderungen getrennt zu erfüllen sind: Eine Verpackung kann als recyclingfähig gelten, ohne dass für sie automatisch ausreichend industrielle Recyclingkapazität (Recycling at Scale) vorhanden ist – und umgekehrt.

Die vollständige Publikation „PET-Schalenrecycling: Status quo, Herausforderungen und Zukunftsszenarien – Phase 1“ steht unter forum-rezyklat.de/fachpublikationen/ kostenfrei zur Verfügung.

Das Forum Rezyklat hat bereits die zweite Phase der Studie beauftragt. Diese wird Technologieszenarien für die Jahre 2030 und 2040 unter Berücksichtigung von Recycling at Scale entwickeln. Für jedes Szenario wird die Studie Materialbilanzen und belastbare Kostenschätzungen liefern. Der Vergleich soll es ermöglichen, die wirtschaftliche Tragfähigkeit unterschiedlicher Umsetzungsstrategien fundiert zu bewerten. Ziel ist es, konkrete Maßnahmenpakete und Handlungsempfehlungen wie zum Beispiel Design for Recycling oder Weiterentwicklung von Sortierspezifikationen, für die Akteure entlang der Wertschöpfungskette abzuleiten.

(Erschienen im EU-Recycling Magazin 10/2026, Seite 27, Foto: MSV, KI-generiert)

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