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Ziegelindustrie setzt Maßstäbe in Ressourceneffizienz und Klimaschutz

Der Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie e.V. (BVZi) hat vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) die Studie „Ziegel – Roadmap zur Ressourceneffizienz“ erstellen lassen. Sie analysiert die Stoffströme der Produktgruppen Hintermauerziegel, Dachziegel und Klinker und gibt Handlungsempfehlungen zur weiteren Optimierung der Verwertungsbilanz.

Die Studie beleuchtet die Ressourceneffizienz entlang der gesamten Produktionskette: von Rohstoffentnahme und Aufbereitung bis hin zu Trocknung, Brennverfahren und Recycling. Besonders vielversprechend ist der Einsatz von externen Sekundärrohstoffen sowie die hochwertige Wiederverwertung von Ziegelabfällen aus der Produktion. 2019 wurden 84 Prozent der rund fünf Millionen Tonnen getrennt erfassten Ziegelabfälle über Recyclinganlagen aufbereitet, zwölf Prozent als Verfüllmaterial genutzt und nur ein Prozent deponiert.

Verwertungsoptionen von Ziegelabfällen
Die Studie identifiziert vier zentrale Verwertungsoptionen:

  • Betonherstellung: Mauerziegel können für R-Beton oder als Klinkersubstitut im Zement verwendet werden. Quoten von zehn bis 30 Prozent sind technisch möglich, werden jedoch noch nicht ausgeschöpft.
  • Kultursubstrat: Sortenrein rückgebaute Ziegel eignen sich für Vegetations- und Dachbegrünungssub­strate, mit großem Potenzial bei der Schwammstadt-Strategie.
  • Recycling-Ziegel: Aus recycelten Ziegelresten und mineralischem Bindemittel entstehen „Kaltziegel“, die ohne Brennprozess hergestellt werden.
  • Wegebau: Aufbereitete Ziegel-Recyclingbaustoffe können mit Quoten bis zu 30 Prozent im Straßenbau sowie auf Tennisplätzen eingesetzt werden.

Stellschrauben zur Ressourceneffizienz
Besonders die Einbindung externer Sekundärrohstoffe und die Rückführung von Eigenmaterial bieten großes Potenzial:

  • Filterkuchen: Der als Nebenprodukt anfallende Filterkuchen aus Tonmineralien kann als Tonersatz genutzt werden.
  • Bodenaushub: Erdaushub von Großprojekten ist eine wertvolle, aber bislang wenig genutzte alternative Rohstoffquelle. Intensivierte Kooperationen mit Erdbauunternehmen und Rezepturanpassungen sind erforderlich.
  • Schleifstaub: Staub, der beim Planschleifen anfällt, wird von der Ziegelindustrie bereits vollständig rückgeführt.
  • Ziegelbruch: Aussortiertes gebranntes Material oder Verschnitt kann entweder wieder in die Produktion eingebracht oder im Open-Loop-System verwertet werden.
  • Rohmasse: Ungenutzte Rohmasse wird zur Erstellung neuer Rohlinge verwendet.

Qualitätsanforderungen und technische Grenzen
Die Herstellung von Hintermauerziegeln ermöglicht eine durchschnittliche Substitutionsquote von acht Prozent, mit einem Potenzial von bis zu zehn Prozent. Eine Änderung der Rezeptur ist in diesem Umfang nicht notwendig. Die Forschung zu biogenen Porosierungsmitteln eröffnet weitere Möglichkeiten. Dachziegel und Klinker unterliegen allerdings strengeren Anforderungen an Korngröße und mineralische Zusammensetzung; Rohstoffe aus sekundären Quellen weisen in der Regel höhere Schwankungsbreiten und Ungenauigkeiten in der Zusammensetzung auf. Die Abweichungstoleranz der benötigten Korngröße und mineralischen Eignung ist gering, wodurch der Einsatz von Sekundärmaterialien technisch begrenzt ist.

Szenarien zur Ressourceneinsparung
Drei Szenarien zeigen: Durch Dematerialisierung – zum Beispiel eine Erhöhung des Lochanteils – und durch die Verlängerung des Produktnutzungszyklus können Emissionen und Ressourcenverbrauch erheblich reduziert werden. Der BVZi fordert daher, die Betrachtungsdauer von 50 auf 80 Jahre anzuheben. Die Wiederverwendung von Ziegeln in ihrer ursprünglichen Funktion für neue Bauprojekte trägt ebenfalls zur Ressourcenschonung bei. Ähnliches gilt für die Wiedernutzung von Dämmstoffen in Hintermauerziegeln. Insgesamt zeigt die Bilanzierung insbesondere beim gesteigerten Einsatz von Bodenaushub und Filterkuchen wie auch von Recyclingmaterial positive Auswirkungen auf die Ressourcen- und Klimabilanz der Ziegelindustrie.

Ausblick und nächste Schritte
„Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen eindrucksvoll, wie groß das Potenzial der Ziegelindustrie für Ressourcenschonung und Klimaschutz ist. Mit innovativen Recyclinglösungen und optimierten Produktionsprozessen leisten wir einen entscheidenden Beitrag zu einer nachhaltigen Bauweise“, konstatiert Attila Gerhäuser, Hauptgeschäftsführer BVZi. Besonders Hintermauerziegel bieten Potenzial zur CO2-Reduktion, während bei Dachziegeln und Klinkern die Substitution von Primärmaterial begrenzt ist. Das „Technische Merkblatt Ziegelrecycling“ soll die Nutzung aufbereiteten Materials weiter erleichtern.

Zukünftig sollen Forschung und Innovation gestärkt und bürokratische Hürden für Produktentwicklungen reduziert werden. Bauherren und Planer sollten vermehrt die Baustoffauswahl und Recyclingfähigkeit in den Fokus rücken. Die Ziegelindustrie bleibt ihrer Ressourceneffizienz und den Klimazielen bis 2045 verpflichtet.

Der Kurzbericht sowie die vollständige Studie sind auf der BVZi-Webseite verfügbar: ziegel.de

(Erschienen im EU-Recycling Magazin 03/2025, Seite 32, Foto: Michal Jarmoluk / pixabay.com)

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