Schwer verwertbare Papierfasern wieder nutzbar machen

Getränkepappbecher, Verpackungspapiere oder Tapeten gehören nicht in die Altpapiertonne. Papier- und Kartonprodukte, die aufgrund ihrer Anforderungen nassfest ausgerüstet oder stark beschichtet sind, können über den herkömmlichen Prozess der Nasszerfaserung nicht oder nur mit Hilfe eines hohen Energie- und Chemikalieneinsatzes aufgelöst weden.

Ein Forschungskonsortium wollte sich damit nicht zufriedengeben. Mit Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) entwickelte es ein Trockenzerfaserungs-Verfahren, das die Wiederverwertung schwer bearbeitbarer Papiere ermöglicht.

Fasern aus roten Servietten

Projektbeteiligte sind die Unternehmen fiber-rec und Gotic und das Institut für Naturstofftechnik der Technischen Universität Dresden. Der Prozess der Trockenzerfaserung spart nach den Angaben des Forschungskonsortiums im Vergleich zu konventionellen Recyclingverfahren Energie und Wasser bei deutlich verringertem CO2-Ausstoß. Die aus den Reststoffen gewonnenen Trockenfasern finden sowohl in der Papierindustrie als auch als Dämmstoffe, Lärmschutzwände oder Verpackungen Wiederverwendung. Im Testbetrieb konnten bereits mehr als 50 Tonnen Trockenfasern aus nicht klassisch recycelbaren Quellen erfolgreich aufbereitet und industriell eingesetzt werden – unter anderem in Papiermaschinenversuchen. Zudem wurde ein Aufbereitungszentrum eingerichtet, um die Prozesse zu simulieren und erste Kundenmuster bereitzustellen.

In einem Folge-Projekt entstand die Entwicklung einer digitalen Rohstoffplattform, die schwer recycelbare Materialien erfasst, analysiert und passende Einsatzmöglichkeiten vorschlägt. Diese Plattform richtet sich an mit Erzeugung, Verarbeitung, Entsorgung und industrieller Nutzung beschäftigte Unternehmen und soll helfen, Kreisläufe effizient zu schließen. Die Plattform baut auf einer umfassenden Datenbank auf, in der Fasern systematisch bewertet werden – vom Zustand der Ausgangsstoffe über Optionen der Verarbeitung bis hin zur Qualität des wiedergewonnenen Faserstoffs. Beim Plattformprojekt hat die Firma Rohprog mit Sitz in München mitgearbeitet, die jetzt auch Gesellschafterin bei fiber-rec ist.

fiber-rec.com

Quelle: DBU

(Erschienen im EU-Recycling Magazin 01/2026, Seite 28, Fotos: fiber-rec GmbH)