Ferngesteuert und trotzdem zu nah dran
Funkfernsteuerungen ermöglichen einen sicheren Abstand bei der Bedienung und leiten doch oft das Personal mitten in den Gefahrenbereich von Absetzkipperfahrzeugen.
Warum das so ist und wie sich schwere Unfälle vermeiden lassen, zeigt eine Auswertung der BG Verkehr. Funkfernsteuerungen bieten bei der Arbeit mit Absetzkipperfahrzeugen einen klaren Vorteil: Das Fahrpersonal kann seinen Standort frei wählen und behält den Be- und Entladevorgang aus sicherer Entfernung vollständig im Blick. Im Vergleich zur Bedienung über Steuerhebel am Fahrzeug verbessert das die Übersicht deutlich.
70 Prozent der Unfälle wären vermeidbar gewesen
Doch trotz Wegfall der Ortsbindung bei der Bedienung bleibt ein Unfallrisiko. Der Grund: Viele Fahrerinnen und Fahrer halten sich während der Bedienung unnötigerweise im Gefahrenbereich auf. Mitunter mit schlimmen Folgen: Allein sechs tödliche Unfälle haben sich in den vergangenen neun Jahren bei den Mitgliedsunternehmen der BG Verkehr ereignet. Zwei weitere Todesfälle wurden aus einer anderen Berufsgenossenschaft bekannt. Ebenfalls dramatisch: Sieben von zehn gemeldeten Unfällen bei der Bedienung von Absetzkippaufbauten enden mit schweren Verletzungen. Eine umfassende Analyse von 58 Unfällen aus den vergangenen zehn Jahren belegt den Zusammenhang zwischen Unfällen und der Bedienung per Funkfernsteuerung eindeutig. „70 Prozent der untersuchten Unfälle wären vermeidbar gewesen. Voraussetzung: Die Anwenderinnen und Anwender hätten sich nicht im Gefahrenbereich aufgehalten“, erklärt Christian Küffner, Fachreferent bei der BG Verkehr für Fahrzeuge mit austauschbaren Ladungsträgern. Auch bei den tödlichen Arbeitsunfällen zeigt sich ein ähnliches Bild: In 75 Prozent der Fälle standen die Betroffenen in unmittelbarer Nähe zum Absetzkippaufbau und bedienten ihn per Funkfernsteuerung.
Besonders unfallrelevant ist die Quetschstelle zwischen Hubarmzylinder und Aufbaurahmen. Gefährlich ist auch der Aufenthalt zwischen schwingendem Behälter und feststehenden, benachbarten Gegenständen, etwa zwischen zwei abgestellten Containern oder zwischen einem Container und einem Gebäude. Hier kann es sehr schnell zu kritischen Situationen mit erheblichem Verletzungspotenzial kommen.
Viele schwere Unfälle haben eine weitere Ursache: die Einhandbedienung. Sie verleitet dazu, nebenbei andere Tätigkeiten auszuführen. Das senkt die Aufmerksamkeit gegenüber den Bewegungen des Absetzkippaufbaus und erhöht dadurch das Verletzungsrisiko zusätzlich.„Sicheres Arbeiten mit der Funkfernsteuerung erfordert das konsequente Einhalten der Grundregeln“, empfiehlt BG-Verkehr-Experte Küffner. „Sichern Sie die Funkfernsteuerung gegen ungewollte Betätigung. Verlassen Sie vor der Ansteuerung des Absetzkippaufbaus den Gefahrenbereich. Konzentrieren Sie sich beim Bedienen der Funkfernsteuerung auf den Hebe-, Absetz- und Kippvorgang und üben Sie keine andere Tätigkeit nebenbei aus.“
Unternehmen müssen das Bedienpersonal entsprechend unterweisen und auf die latente Gefahr hin sensibilisieren. Auf der IFAT stellte die BG Verkehr als Hilfe dazu die neue Unterweisungskarte E14 „Sichere Verwendung von Funkfernsteuerungen an Absetzkipperfahrzeugen“ vor. Sie ist im Medienkatalog der BG Verkehr bestellbar (für Mitgliedsunternehmen) oder steht zum Download bereit (bg-verkehr.de, Webcode 26847745).
Wer tiefer einsteigen möchte, findet im Medienkatalog auch die zwölfseitige Broschüre „Funkfernsteuerungen – Drahtlos im Trend“ (bg-verkehr.de, Webcode 14543441).
(Erschienen im EU-Recycling Magazin 06/2026, Seite 25, Foto: MSV, KI-generiert)





