Mehr Sicherheit in Recyclinganlagen

Gefahrenträger frühzeitig erkennen, Brände vermeiden, Kreisläufe stärken: Mit „DangerSort“ haben das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS und die Lobbe Gruppe ein KI-gestütztes Röntgensortiersystem entwickelt. Lithium-Ionen-Akkus können im Verpackungsabfall zuverlässig erkannt und automatisch ausgeschleust werden.

Seit Kurzem läuft die Anlage bei Lobbe in Iserlohn unter Testbetrieb. Im Sortierprozess durchleuchtet eine Röntgenquelle den vorbeilaufenden Verpackungsabfall auf dem Hochgeschwindigkeitsband – ähnlich einer Gepäckkontrolle am Flughafen. Ein Detektor erfasst fortlaufend Röntgenaufnahmen, die von einer speziell trainierten KI in Echtzeit analysiert werden. Erkennt das System einen verbauten oder verdeckten Akku, lösen Präzisionsdüsen in Millisekunden Luftstöße aus, die das Objekt in einen separaten Behälter ausschleusen. So kann der Materialstrom zuverlässig von Gefahrenträgern befreit werden, ohne den Durchsatz der Anlage zu beeinträchtigen.

Fehlauswürfe die Ausnahme
In Praxistests identifizierte DangerSort einen auffallend hohen Anteil falsch entsorgter Elektroaltgeräte und erreichte eine Ausbringungsrate von über 90 Prozent. Selbst größere Energiespeicher, wie Werkzeug-Akkus, konnten zuverlässig separiert werden – Fehlauswürfe blieben die Ausnahme. „Für uns als Anlagenbetreiber bedeutet dieses System einen Quantensprung in puncto Sicherheit“, sagt Jochen Ebbing, Ingenieur für Verfahrenstechnik bei Lobbe. „Die Technologie erhöht die Sicherheit vor Bränden erheblich und schützt gleichzeitig unsere Mitarbeiter und Anlagen.“

Auch für das Fraunhofer IIS ist die Inbetriebnahme ein wichtiger Schritt: „Die Kombination aus Röntgentechnik und KI ermöglicht eine zuverlässige Erkennung von Akkus unter realen Bedingungen“, erläutert Gruppenleiter Johannes Leisner. „Durch kontinuierliches Nachtrainieren der KI gewinnt das System weiter an Robustheit.“

DangerSort ist Teil des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten Projekts K3I-Cycling und im KI-Anwendungshub Kunststoffverpackungen verankert. In dem Bündnis arbeiten Partner aus Industrie, Wissenschaft und Gesellschaft daran, KI für eine effizientere und noch sicherere Kreislaufwirtschaft nutzbar zu machen. Die Zusammenarbeit zwischen Fraunhofer und Lobbe ermöglicht es, die Technologie direkt im industriellen Umfeld zu evaluieren und weiterzuentwickeln.

lobbe.de
iis.fraunhofer.de

(Erschienen im EU-Recycling Magazin 01/2026, Seite 35, Foto: MSV, KI-generiert)