Rohstoffsicherung im Fokus des IFAT-Veranstaltungsprogramms

Zirkularität gewinnt angesichts geopolitischer Spannungen, fragiler Lieferketten und steigender Rohstoffpreise zunehmend an Bedeutung. Das Veranstaltungsprogramm der IFAT Munich belegt eindrucksvoll, wie Recycling, Digitalisierung und neue Kooperationen dazu beitragen können, Ressourcen effizienter zu nutzen und wirtschaftliche Resilienz zu stärken.

Auf der Orange Stage in Halle A5 widmen sich mehrere Podiumsdiskussionen den Chancen und Strategien einer zukunftsfähigen Kreislaufwirtschaft. Organisiert werden sie unter anderem vom Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE), von Germany Trade & Invest (GTAI), der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) sowie vom Bundesumweltministerium. Fachleute aus Automobilindustrie und Recyclingwirtschaft diskutieren zudem über Urban Mining, geschlossene Materialkreisläufe und neue Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette.

Weitere Programmpunkte befassen sich mit der erweiterten Herstellerverantwortung, etwa beim Recycling von Altreifen, sowie mit industriellen Verfahren zur Rückgewinnung kritischer Rohstoffe aus Lithium-Ionen-Batterien. Zu den Veranstaltern zählen der BDE, das Ressourceneffizienz-Zentrum Bayern (REZ), der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung sowie der VDMA – Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau.

Neben Diskussionen und Fachvorträgen bietet die IFAT Munich 2026 auch praxisnahe Einblicke. Auf dem Freigelände demonstriert die Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) unter dem Titel „Stahl- und Metallrecycling im Zeichen von Green Steel (BDSV)“ moderne mechanische Zerlegeverfahren live vor Publikum.

KI, Robotik und Digitalisierung als Innovationstreiber
Zu den wichtigsten Innovations­treibern der Kreislauf- und Abfallwirtschaft zählen derzeit Künstliche Intelligenz, Robotik und digitale Technologien. Von ihnen erwartet die Branche bessere Sortierergebnisse, effizientere Betriebsabläufe, höhere Arbeitssicherheit sowie geringere Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Auch in der kommunalen Abfallwirtschaft eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten: KI kann etwa helfen, Fehlwürfe zu minimieren oder die Tourenplanung der Sammelfahrzeuge zu optimieren. Konkrete Anwendungen, Herausforderungen bei der Implementierung sowie strategische Potenziale für Städte und kommunale Betriebe stehen im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) auf der Orange Stage. Der VDMA stellt zudem eine Initiative vor, die den Datenaustausch sensorgesteuerter Sortieranlagen standardisieren soll, um intelligentere und effizientere Recyclingprozesse zu ermöglichen. In einer weiteren Veranstaltung widmet sich der Verband der Frage, welche Rolle digitale Produktpässe künftig für ein hochwertigeres Recycling spielen können.

Chancen und Grenzen neuer Technologien
Am letzten Messetag, dem 7. Mai, wirft die International Solid Waste Association (ISWA) einen kritischen Blick auf den Einsatz von KI und Robotik in der Abfallwirtschaft. Neben innovativen Technologien – etwa kollaborativen Robotern zur Demontage komplexer Elektronik, KI-gestützter Materialrückgewinnung oder digitaler Materialflussverfolgung – werden dabei auch Herausforderungen und mögliche Nebenwirkungen diskutiert. Denn KI-Systeme sind auf hochwertige, standardisierte Daten und eine stabile digitale Infrastruktur angewiesen. Abfallströme sind jedoch häufig heterogen und stark verunreinigt. Modelle, die unter Laborbedingungen gut funktionieren, stoßen in der Praxis daher oft an ihre Grenzen.

Gleichzeitig sind viele Systeme mit hohen Investitionskosten verbunden – ein Hindernis insbesondere für kleinere Recyclinganlagen sowie für Betriebe in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen. Gerade dort wird in den kommenden Jahrzehnten jedoch der stärkste Anstieg der Abfallmengen erwartet. Nach Einschätzung der ISWA besteht deshalb eine zentrale Herausforderung darin, digitale Innovationen mit praktikablen und langfristig tragfähigen Systemlösungen zu verbinden.

ifat.de/de/messe/programm

(Erschienen im EU-Recycling Magazin 04/2026, Seite 14, Foto: Messe München GmbH)