Interzero investiert in neue Anlage für mrPP
„Mit unserem neuen Standort für die Herstellung von Rezyklaten, die für kontaktsensitive Anwendungen geeignet sind, investiert Interzero trotz des aktuell schwierigen Marktumfelds weiterhin in das mechanische Recycling für den Bedarf von morgen“, erklärte Jan Kroker, CEO von Interzero, anlässlich der neuen Recyclinganlage zur Herstellung von mechanisch-recyceltem Polypropylen (mrPP) in Dessau. Warum mechanisches Recycling?
Laut europäischer Verpackungsverordnung PPWR müssen zukünftig Kunststoffverpackungen für Lebensmittel oder Kosmetikprodukte, die nicht aus PET bestehen, mindestens zehn Prozent Post-Consumer-Rezyklat (PCR) enthalten. Doch genau solche Rezyklate fehlen am Markt. Es besteht ein erheblicher Investitionsbedarf in die Sortierung und Aufbereitung, um die regulatorischen Anforderungen erfüllen zu können. Interzero hat nun ein Verfahren entwickelt, mit dem food-grade und near-food-grade Rezyklate – zur Verpackung von Lebensmitteln – mechanisch aus dem Material im Gelben Sack aufbereitet werden können. Für die Produktion eröffnet der europaweit tätige Kreislaufwirtschaftsdienstleister Interzero einen neuen Standort für mechanisches Recycling in Dessau – trotz hoher Energiekosten, schwankender Preise und einer aktuell noch gedämpften Nachfrage nach Rezyklaten.
Molekulare Struktur bleibt erhalten
Laut Verpackungsspezialist Lizensero ermöglicht das mrPP-Verfahren ein direktes Recycling von Kunststoffabfällen, verbraucht weniger Energie als andere Entsorgungswege, verursacht geringere Kosten und erweist sich aufgrund hoher Effizienz als vergleichsweise „ökologisch vorteilhaft“. Denn bei der mechanischen Behandlung eines Kunststoffprodukts wird das Material zerkleinert, gereinigt und zu neuem Granulat für die thermoplastische Verarbeitung umgeschmolzen. Obwohl dabei die eingesetzten Abfallmaterialien physikalisch verändert werden, bleibt deren molekulare polymere Struktur erhalten. Mechanisches Recycling wird auf breiter Ebene angewendet und nutzt bereits etablierte Infrastrukturen, ist aber auch von einem funktionierenden Sammel- und Sortiersystemen abhängig. Auch stößt dieses Verfahren bei Misch-, Mehrschicht- oder Verbundkunststoffen ebenso wie bei komplex zusammengesetzten Multi-Layer-Verpackungen an seine Grenzen. Hinzu kommt – wie bei jeder Verwendung von Polypropylen, also auch dem chemischen Recycling –, dass sich die Molekülketten bei jedem Recyclingdurchlauf verkürzen, sodass das Material nicht beliebig oft mechanisch oder chemisch recycelt werden kann. Auch schränken Verunreinigungen und der Abbau von Additiven die Wiederverwendung stark ein. Neben Materialermüdung, durch die die Stoffe an Festigkeit, Elastizität und Schlagzähigkeit verlieren, reagiert Polypropylen bei hohen Temperaturen mit Sauerstoff: Dieser Autooxidationsprozess bildet Radikale, spaltet die Molekülketten und reduziert dadurch die Molmasse.
Produktionskapazität von 5.000 Tonnen pro Jahr
Demgegenüber schließt chemisches Recycling Verwertungslücken für stark verschmutzte oder gemischte Kunststoffe, bei denen mechanisches Recycling versagt. Laut NABU dient die chemische Behandlung der Ausschleusung von Schadstoffen bei gleichzeitiger materieller Verwertung der Kunststoffe, dem Recycling von Abfallströmen, die für ein werkstoffliches Vorgehen weder technisch noch wirtschaftlich in Frage kommen, oder dem Recycling stark verunreinigter Kunststoffabfälle. Für Interzero ergänzen sich die beiden Recyclingverfahren: „Das mechanische Recycling bleibt die zentrale Wahl für Monomaterialströme wie PE-, PP- und PET-Fraktionen. Chemisches Recycling erschließt zusätzliche Mengen aus komplexen Mischfraktionen und unterstützt Europa dabei, das gesamte Spektrum an Kunststoffabfällen effektiver zu bewältigen. Darüber hinaus ermöglicht es uns, Ressourcen zu nutzen, die sonst verloren gehen würden.“
Die neue Anlage der Interzero Plastics Sorting GmbH soll voraussichtlich 2027 mit einer Produktionskapazität von 5.000 Tonnen mrPP pro Jahr in Betrieb genommen werden. Für die vollautomatisierte Sortierung von Wertstoffen aus Gelbem Sack/Gelber Tonne zur Produktion von PP-Rezyklat wird die Anlage ab Vollbetrieb etwa 40 Mitarbeitende in drei Schichten beschäftigen.
(Erschienen im EU-Recycling Magazin 08/2026, Seite 15, Foto: Interzero Holding)











