Schweden bereitet sich auf eine Kreislaufwirtschaft für Solarmodule vor
Bis zum Jahr 2060 könnten in Schweden jährlich zwischen 40.000 und 150.000 Tonnen ausgedienter Solarmodule zur Entsorgung und Verwertung anfallen. Die Axfoundation, das KTH Royal Institute of Technology und Partner aus der gesamten Wertschöpfungskette stellen nun Schwedens erste Roadmap für eine Kreislaufwirtschaft von Solarmodulen vor.
Ausgemusterte Module unterscheiden sich hinsichtlich ihres Potenzials für weitere Nutzung, Reparatur oder Recycling. Die „CircSolar“-Roadmap beschreibt, wie der Zustand der Module beurteilt und wie mit ihnen im weiteren Verlauf der Wertschöpfungskette verfahren werden kann. „Solarenergie ist ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende, doch das heutige System ist nicht darauf ausgelegt, Solarmodule nach ihrer Außerbetriebnahme optimal zu nutzen“, sagt Johanna Olofsson Behrman, Projektmanagerin für den Bereich „Future Materials“ bei der Axfoundation, einer unabhängigen, gemeinnützigen Organisation, die praxisorientierte Lösungen für komplexe Nachhaltigkeitsherausforderungen in den Bereichen Ernährung und Materialien der Zukunft entwickelt. „Wir müssen die Nutzungsdauer funktionstüchtiger Module verlängern, sicherstellen, dass wertvolle Materialien als Ressourcen erhalten bleiben, anstatt zu Abfall zu werden, und die erweiterte Herstellerverantwortung in der Praxis wirksam umsetzen – und zwar noch bevor die künftigen großen Materialströme entstehen.“
Europaweite Herausforderung
Solarenergie gehört zu den am schnellsten wachsenden Stromquellen in Schweden, doch auch das Aufkommen ausgedienter Solarmodule wird voraussichtlich stark ansteigen. Szenarioanalysen des schwedischen Forschungsinstituts RISE deuten darauf hin, dass Schweden bis etwa 2060 jährlich zwischen 40.000 und 150.000 Tonnen ausgedienter Solarmodule bewältigen muss – im oberen Szenario entspräche dies einer Menge, die die gesamte im Jahr 2024 in Schweden gesammelte Menge an Elektro- und Elektronikschrott übersteigt.
Die Herausforderung ist europaweit: Nach Angaben der Europäischen Kommission könnten sich in der EU bis 2050 insgesamt mehr als 20 Millionen Tonnen ausgedienter Solarmodule ansammeln. Gleichzeitig zeigen Ergebnisse des Projekts CircSolar sowie Forschungsarbeiten des KTH Royal Institute of Technology, dass außer Betrieb genommene Module nicht automatisch als Abfall betrachtet werden sollten. Viele sind noch funktionsfähig und könnten weiter genutzt werden, während andere repariert oder recycelt werden müssen.
„Nicht alles, was aussortiert wird, hat das Ende seiner funktionalen Nutzungsdauer erreicht. Unsere Analyse zeigt, dass der Strom an ‚Solarpanel-Abfällen‘ nicht nur defekte, sondern auch reparierbare, wiederverwendbare und sogar unbenutzte Module umfasst. Ohne systematische Qualitäts- und Sicherheitsprüfungen laufen wir Gefahr, sowohl den verbleibenden Wert dieser Module als auch den optimalen Weg für ihre weitere Nutzung zu übersehen“, erklärt Beatriz Pérez Horno, Forscherin am KTH Royal Institute of Technology.
Wenn alle Akteure Verantwortung übernehmen
Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse haben Axfoundation, das KTH Royal Institute of Technology, El-Kretsen, Svea Solar, Stena Recycling und Remondis einen Fahrplan für die Kreislaufwirtschaft von Solarmodulen in Schweden entwickelt. Dieser Fahrplan benennt drei zentrale Prioritäten: die Verlängerung der Nutzungsdauer funktionstüchtiger Module, die Entwicklung spezialisierter Recyclingverfahren, die Materialien im Kreislauf halten, sowie die Stärkung der erweiterten Herstellerverantwortung, der Rückverfolgbarkeit und der Datenerfassung zu künftigen Modulströmen. „Der nächste Schritt für die Solarbranche besteht darin, Anreize dafür zu schaffen, funktionierende Anlagen zu erhalten, zu warten und zu optimieren, anstatt Module vorzeitig auszutauschen. Dies erfordert Geschäftsmodelle, die eine lange Nutzungsdauer und eine dauerhaft hohe Leistungsfähigkeit belohnen“, macht Alison Wren, Head of Residential Hardware bei Svea Solar, deutlich. Die Roadmap unterstreicht zudem, dass die erweiterte Herstellerverantwortung in der Praxis wirksam funktionieren muss. Alle Unternehmen, die Solarmodule auf dem schwedischen Markt in Verkehr bringen, müssen sich zu gleichen Bedingungen an deren künftiger Sammlung und Behandlung beteiligen. Zudem seien eine bessere Rückverfolgbarkeit und genauere Daten zu den künftigen Modulströmen erforderlich, um eine langfristige Planung zu ermöglichen.
„Die erweiterte Herstellerverantwortung ist ein wesentlicher Bestandteil eines Kreislaufsystems für Solarmodule. Wenn alle Akteure Verantwortung übernehmen, schafft dies faire Wettbewerbsbedingungen, eine stabile Finanzierung für die künftige Sammlung und Behandlung sowie bessere Voraussetzungen für die Planung von Sammlung und Recycling“, ist Kristina Eriksson, Geschäftsbereichsleiterin bei El-Kretsen, überzeugt.
In Europa werden derzeit spezialisierte Recyclingverfahren für Solarmodule entwickelt. Laut der CircSolar-Roadmap kann Schweden seine Kapazitäten schrittweise aufbauen: zunächst durch die Nutzung spezialisierter Recyclingkapazitäten im übrigen Europa und – mit steigenden Mengen in Schweden – durch Investitionen in die heimische Infrastruktur. Recyclingunternehmen wie Remondis und Stena Recycling bereiten sich bereits auf diese künftigen Materialströme vor.
Die Roadmap weist schließlich auf die Notwendigkeit eines koordinierten Vorgehens von Regierung und Behörden hin, um die Wiederverwendung funktionstüchtiger Solarmodule zu erleichtern und wirtschaftlich attraktiver zu gestalten, Investitionen in hochwertiges Recycling zu fördern und die praktische Umsetzung der erweiterten Herstellerverantwortung zu gewährleisten.
Die Roadmap zum Downloaden: ax-images.b-cdn.net/uploads/2026/08/Circular-Roadmap-for-Solar-Panels-in-Sweden.pdf
(Erschienen im EU-Recycling Magazin 10/2026, Seite 10, Foto: Axfoundation)











