E-Bike-Akkus im Kreislauf halten

Die österreichische Saubermacher Dienstleistungs AG und die deutsche Liofit GmbH geben ausrangierten E-Bike-Akkus eine zweite Chance: Nach einem Handy-Scan mittels App erkennt die KI-gestützte Diagnose-Software von Liofit, ob ein Akku repariert oder als Ersatzteilquelle genutzt werden kann. Fällt er beim smarten Qualitätscheck durch, geht er ins Recycling. Batterien können – ohne sie zu öffnen – qualitativ bewertet und vorsortiert werden.

Ziel der beiden Partner ist es, wertvolle Rohstoffe möglichst lange im Kreislauf zu halten und dadurch CO2-Emissionen und Kosten einzusparen. Auch am Saubermacher-Standort Premstätten sollen Fahrrad-Akkus künftig im größeren Maßstab technisch bewertet und repariert werden können. Lithium-Ionen-Akkus, wie sie in E-Bikes eingesetzt werden, müssen laut EU-Batterieverordnung ab dem Jahr 2027 entnehm- und austauschbar sein. Die gemeinsame Initiative von Saubermacher und Liofit steht damit künftig auf einer stabilen gesetzlichen Basis.

Wiederverwendung, Reparatur oder Recycling
Die Software beziehungsweise App von Liofit liest mittels Handy-Scan das Etikett des Akkus aus und gleicht sie im Hintergrund automatisiert mit einer Akku-Datenbank ab, die rund tausend verschiedene Modelle umfasst. Gibt die App „grünes Licht“, eignet sich der Akku für eine mögliche Reparatur oder zur Entnahme von Ersatzteilen. Jeder Akku ist anders und muss individuell geprüft und ausgebaut werden. Dazu liefert die Datenbank praxisnahe Videoanleitungen und Schulungen. Zudem gibt sie klare Kriterien für die Ersatzteilgewinnung und Anleitungen zu einer möglichen Reparatur vor. Erst wenn eine Wiederverwertung des gesamten Akkus oder von Einzelteilen nicht mehr möglich ist, gibt die App „rotes Licht“ und der Akku wandert direkt in das Recycling.

Second Life zahlt sich aus
Der Vergleich zwischen Reparatur und Neukauf eines 500-Wh-E-Bike-Akkus zeigt, dass durch den Entfall der energie- und materialintensiven Neuproduktion rund 16 bis 30 Kilogramm CO₂-Äquivalente eingespart werden können (Quelle: Umweltbundesamt). Auch wirtschaftlich ist der Ansatz relevant: Ein neuer Qualitätsakku kann mehr als 1.000 Euro kosten. Eine Reparatur ist deutlich günstiger, sagen Saubermacher und Liofit. Werde beispielsweise das Zellpaket, das „Herz“ der Batterie, getauscht, fielen maximal 500 Euro an; viele Fehler könnten bereits unter 200 Euro Kostenaufwand behoben werden. Durch eine Reparatur ließe sich die Nutzungsdauer des Akkus verdoppeln. Im Rahmen der Initiative wurden den Angaben zufolge am Saubermacher-Standort Premstätten bereits 4.000 E-Bike-Akkus gesichtet. Davon können laut Diagnose rund 60 Prozent einer potentiellen Wiederverwendung zugeführt oder alternativ als Ersatzteilquelle genutzt werden.

CEO Liofit, Rico Günther: „Zahlreiche E-Bike-Akkus verdienen eine zweite Chance, landen aber vorzeitig auf dem Wertstoffhof. Hier setzt die Zusammenarbeit mit Saubermacher an. Wir vereinen unser Know-How aus Reparatur- und Entwicklungsarbeit mit der Recyclingpraxis von Saubermacher. So können Batterien schneller bewertet und sinnvoll weiterverwendet werden. Das spart Zeit, Ressourcen und Geld.“ Saubermacher Gründer, Hans Roth: „Reuse-Projekte tragen einen wesentlichen Teil zur Vision Zero Waste bei. Gleichzeitig leisten wir mit unserer gemeinsamen Initiative mit Liofit einen Beitrag zu nachhaltiger Mobilität und unterstützen die zunehmende Bedeutung des Radfahrens im Alltag.“ VP Batteries Saubermacher, Thomas Haid: „Die Zusammenarbeit mit Liofit als europäischem Marktführer ermöglicht es, datenbasierte Entscheidungen hinsichtlich Reuse oder Recycling zu treffen, gezielt Reparaturkompetenz aufzubauen und Materialien länger im Kreislauf zu halten.“

liofit.com, saubermacher.at

(Erschienen im EU-Recycling Magazin 03/2026, Seite 22, Foto: Saubermacher/Scheriau)