Schrottmarktbericht April 2026: Konsolidierende Schrottpreiserhöhungen im April

Der Iran-Krieg hat im März Preise in Deutschland sprunghaft ansteigen lassen. Der Ölpreisschock und die damit verbundenen gestiegenen Energiepreise katapultierten die Inflationsrate auf 2,7 Prozent, den höchsten Stand seit Januar 2024. Die Preise für Haushaltsenergie und Kraftstoffe lagen im März um 7,2 Prozent höher als im Vergleichsmonat des vergangenen Jahres. Auch Gas und Strom haben sich für Neukunden zuletzt deutlich erhöht, blieben aber noch unter den hohen Vorjahreswerten. Ein kleiner Hoffnungsschimmer – rasant gestiegene Energiekosten sollten nicht in dem Maße auf andere Preise durchschlagen – keimte kurz nach Ostern durch die verkündigte Waffenruhe zwischen den USA und Iran auf. Ökonomen warnten, im Falle eines längeren Krieges könne sich der Energiepreisschock in der Breite der Wirtschaft niederschlagen.

Die Anzahl der Insolvenzen bei den Personen- und Kapitalgesellschaften stieg im März um 17 Prozent gegenüber dem Vormonat auf 1.716 an, eine Zunahme um 18 Prozent gegenüber März 2025. Die Zahl der betroffenen Beschäftigten der größten 10 Prozent insolventer Unternehmen ist im Vergleich zum Vormonat um 40 Prozent auf insgesamt 14.000 gesunken. Der starke Zuwachs der Insolvenzen ist demnach auf kleine und mittelständische Unternehmen zurückzuführen.

Schrottmarkt
Der inländische Markt gewann im April im Laufe des Monats an Stärke. Der beständige und feste Exportmarkt verschaffte dem Inlandsmarkt ein gewisses Maß an Stabilität. Türkische Abnehmer zögerten im vorherigen Monat Einkäufe immer weiter hinaus, in der Hoffnung auf einen sich beruhigenden Energiemarkt mit niedrigeren Frachtpreisen. Dieses Szenario blieb jedoch aus, sodass Anfang April der internationale Markt an Dynamik gewann und zahlreiche Schrotteinkäufe vermeldet wurden.

Der deutsche Schrottmarkt ist weiterhin gezeichnet von Schrottknappheit. Mengenverkäufe erfolgten im Vormonat ohne Gewährleistung von Materialzuläufen. Schrottpreise konsolidierten in der monatsübergreifenden Betrachtung. Preisreduktionen im März führten zu Preiserhöhungen im April. Die Preisrange reichte im April von unverändert bis hin zu Preissteigerungen von 10 €/t, wobei der überwiegende Bereich an der Preisobergrenze lag.

Einige Verbraucher berichteten über eine zunehmend bestandsorientierte Einkaufspolitik. Viele Unsicherheiten, nicht zuletzt die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und die damit verbundenen rasant gestiegenen Energie- und Frachtkosten, führen zu einer risikominimierten Betrachtung. Dazu gehörte eine eng geführte Bestandspolitik.

Schrott in den Regionen
Schrottverbraucher im Norden kauften im April zu leicht erhöhten Konditionen ein. Schrottpreise stiegen im Durchschnitt um 5-10 €/t. Ein Verbraucher erhöhte Neuschrotte mit 5 €/t, Altschrotte, die eine geringere Verfügbarkeit aufwiesen, um 10 €/t. Im Osten positionierte sich ein Stahlwerk sehr früh im Monat mit unveränderten Schrottpreisen gegenüber dem Vormonat. Andere Werke, die zu späteren Zeitpunkten ihre Einkaufsmengen abschlossen, nahmen Preisaufschläge von 5-10 €/t vor. Im Westen kaufte ein Verbraucher mit unverändertem Preisniveau ein. Mitte Mai erfolgt eine Hochofenzustellung, sodass sich Bedarfe voraussichtlich bis August halbieren. Ein weiterer Verbraucher kaufte mit höheren Preisaufschlägen von 5-10 €/t ein. Im Südwesten nahmen Abnehmer leichte Preiskorrekturen von 5 €/t vor, teilweise kam es auch zu Erhöhungen, die darüber hinaus lagen. In der Saar-Region stiegen Schrottpreise um 5-10 €/t bei überschaubaren Mengenbedarfen. Im Süden lagen Preisaufschläge etwas niedriger bei 5 €/t.

Schrott in den Nachbarländern
Schrottpreise stiegen in Frankreich ähnlich wie im Nachbarland Luxemburg um 5-10 €/t. In Luxemburg erholten sich Schrottbedarfe zwar seit Anfang des Jahres, weil ein Werk mit einem neuen Elektroofen ausgestattet wurde, lagen aber weiterhin hinter den zu erwarteten Bedarfsmengen. In Österreich blieben Schrottpreise über alle Sorten unverändert. In der Schweiz lagen Preisaufschläge bei 10 €/t. Italienische Verbraucher zeigten ein ordentliches Kaufinteresse an Schrotten. Sowohl in Deutschland als auch in der Tschechischen Republik war eine rege italienische Schrottnachfrage festzustellen. Italienische Verbraucher kündigten in den Verhandlungsgesprächen bereits an, gute Bedarfe bis Juli zu haben und sich anschließend in die Sommerzeit zu verabschieden. Im Verlauf des Monats korrigierten Abnehmer Schrottpreise immer weiter nach oben und erhöhten diese auf bis zu 10 €/t. Allgemein kam es zu Preisaufschlägen von 5-10 €/t. Polnische Verbraucher schlossen den aktuellen Monat mit unveränderten Preisen ab, je nach Ausgangssituation gab es leichte Preisaufschläge von 5 €/t. Der Markt wies eine stärkere pakistanische Nachfrage nach Shredderschrotten auf. Es lagen zahlreiche Angebote für in Container verladene Shredderschrotte vor. Auf dem tschechischen Markt bewegten sich Schrottpreise von -8 €/t bis hin zu einer Seitwärtsbewegung, verblichen mit dem Vormonat. Ein Stahlwerk hatte eine gute Nachfrage.

Schrottmarkt international
Anfang des Monats platzierten zwar türkische Stahlwerke Schrottgebote auf dem internationalen Tiefseemarkt, die meisten Verkäufer verwiesen aber auf die bevorstehenden Feiertage, in der Hoffnung, zukünftig höhere Preise zu erzielen. Sammelpreise zu europäischen Exporthäfen legten um 10 €/t zu auf 285-290 €/t frei angeliefert Lagerplatz. Auch auf dem indischen Importschrottmarkt stiegen Preise weiter an. Richtpreise für europäische HMS 1/2 (80:20) Schrotte lagen bei 390 $/t CFR Indien, ein Anstieg um 5-10 $/t seit Mitte März. Drehspäne wurden zu 340-345 $/t CFR Indien frei verladen Container gekauft.

In der ersten Aprilwoche lösten türkische Stahlwerke eine regelrechte Kaufwelle aus. Rund 35 Tiefseeladungen, mindestens sieben zur Verladung im Mai, kauften türkische Importeure bis zu diesem Zeitpunkt. Die tatsächliche Anzahl dürfte allerdings weitaus höher liegen. Auf dem US-Binnenmarkt trat ein Stahlwerk im Südosten der USA in den Schrottmarkt ein mit unveränderten Preisen gegenüber dem Vormonat für gemischte Neuabfälle und 20 $/t weniger für Altschrotte wie P&S, HMS 1 und Drehspäne. Dies entsprach im Allgemeinen der Erwartungshaltung eines schwächeren Inlandmarktes.

Höhere Hafenpreise und ein stärkerer Euro, dieser stieg von 1,15 US-Dollar auf 1,17 US-Dollar, führten zu einer Erhöhung der Gewinnschwelle europäischer Exporteure, die bei einer HMS 1/2 (80:20) gerade so bei 400 $/t CFR Türkei lag. Schrottexporteure reduzierten ihre Angebote nicht, da Frachtraten konstant blieben. Nach dem vereinbarten Waffenstillstand im Nahen Osten mutmaßten einige Teilnehmer, der Ölpreis könne nachhaltig sinken und Frachtkosten sich reduzieren. Dennoch warteten Reeder auf Klarheit bezüglich der Sicherheitsvorkehrungen und des Versicherungsschutzes für die Schiffsdurchfahrt von Hormus. Argus ermittelte die Frachtraten für Supramax-Schiffe auf den Routen ARA-Türkei auf 29,5032,50 $/t, die Relation von der US-Ostküste-Türkei auf 42-45 $/t.

Allgemein verfolgten US-Schrottexporteure weiterhin feste Preise für HMS 1/2 (80:20) Lieferungen, die bei bis zu 410 $/t CFR Türkei lagen. Europäische Verkäufer veranschlagten mindestens 400 $/t CFR Türkei. Türkische Verbraucher setzten vermehrt heimische Schrotte ein und legten zunehmend ihren Fokus auf Küstenschiffe. Einige bulgarische und rumänische HMS 1/2 (80:20) Verkäufe lagen bei 380-382 $/t CFR Türkei.

Der russische Verband der Elektrostahlunternehmen (AEMP) schlug ein vollständiges Exportverbot für Schrotte aus Russland vor. Als Grund nannte der Verband die Gefahr einer mittelfristigen Verknappung und den globalen Trend zu stärkeren protektionistischen Maßnahmen. Dem entgegnete der Schrottverarbeitungsverband RUSLOM.COM, Schrottverbräuche gingen im ersten Quartal 2026 um 28 Prozent zurück, könnten am Jahresende lediglich 11,8 Mio. Tonnen erreichen.

Gießerei
Der Marktlage im Gießereibereich ist unverändert dramatisch. Einige Gießer berichten von Vorlaufzeiten, die normalerweise ein halbes Jahr reichen, aktuell aber nur bei ca. zwei Wochen liegen. Eine Gießerei berichtete von eingebrochenen Zahlen aus dem Automotiv-Bereich, konnte aber einen Kunden gewinnen, der dem Verteidigungssektor zuliefert. Der Gießereimarkt zeigte im Allgemeinen unveränderte Schrottpreise im April gegenüber dem Vormonat auf.

Ausblick
Aktuelle Preissteigerungen bei Energiekosten insbesondere bei Kraftstoffen sind außer Kontrolle geraten. Mittelständische Unternehmen sind strukturell stärker betroffen, da sie nur geringe Möglichkeiten zur Absicherung gegen Preisschwankungen haben und Kostensteigerungen häufig nicht vollständig an Kunden weitergeben können. Es ist zwingend erforderlich, Energie- und Stromsteuern auf das europäische Mindestmaß zu senken. Dabei muss sichergestellt werden, dass staatliche Abgaben die aktuelle Kostenkrise nicht zusätzlich verschärfen. Außerdem ist ein Grundvertrauen in die Planungssicherheit für die Absicherung zukünftiger Investitionsentscheidungen von elementarer Bedeutung. Die Kostenkrise ist kein Naturereignis, sondern in wesentlichen Teilen politisch beeinflussbar, so heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von bvse zusammen mit dem BVMW. Die Bundesregierung ist gefordert, jetzt entschlossen zu handeln, um die wirtschaftliche Substanz des Mittelstandes zu sichern!

Redaktionsschluss 17.04.2026, Johannes Hanke, bvse (Alle Zahlen ohne Gewähr), Foto: O. Kürth