Aufbereitungsanlage für Seltene-Erden-Magneten verbindet Recycling und Fertigung
Die HyProMag GmbH, ein Technologie-Startup und Teil der HyProMag-Gruppe, die patentierte Technologien zum Recycling von Seltene-Erden-Magneten in Europa und weltweit vermarktet, hat in Pforzheim eine Anlage für Recycling und Herstellung von Seltene-Erden-Magneten offiziell eröffnet und in Betrieb genommen.
Es handelt sich dabei um die erste Anlage ihrer Art in der Europäischen Union und um einen wichtigen Schritt zur Stärkung der sicheren und nachhaltigen Versorgung Europas mit kritischen Rohstoffen. Der Bau der Anlage wurde teilweise aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung sowie des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes Baden-Württemberg finanziert.
Spielentscheidend und unverzichtbar
Seltene Erden stehen bekanntlich an der Spitze der Liste kritischer Rohstoffe der EU, da sie für die Wirtschaft von zentraler Bedeutung sind, aber einem hohen Versorgungsrisiko unterliegen. Ihre Hauptanwendung liegt in Permanentmagneten auf Basis von Neodym-Eisen-Bor (NdFeB). NdFeB-Magnete kommen in einer Vielzahl von Anwendungen zum Einsatz und bieten das hohe Leistungsgewicht, das für den globalen Wandel hin zu Automatisierung und sauberer Energie erforderlich ist. Sie spielen eine entscheidende Rolle in Antriebsmotoren von Elektrofahrzeugen, Lenksystemen in der Luft- und Raumfahrt sowie in getriebelosen Windkraftanlagen und ermöglichen die extreme Miniaturisierung in der Unterhaltungselektronik, insbesondere durch den Antrieb von Voice-Coil-Motoren (VCMs) in Festplattenspeichern und Lautsprechereinheiten in Smartphones.
Ihr Anwendungsbereich erstreckt sich mittlerweile auch auf die intelligente Landwirtschaft (autonome Drohnen), die medizinische MRT-Bildgebung und die Lebensmittelsicherheit beispielsweise bei magnetischer Filtration, wodurch sie sich als unverzichtbar erweisen – für alles von der Schwerindustrie-Robotik bis hin zu den empfindlichsten digitalen Komponenten.

Reaktor zur Rückgewinnung von Seltenerdmagnetmaterial mittels wasserstoffbasierter Aufbereitung: Das HPMS-Verfahren nutzt Wasserstoff, um Magnetabfälle schonend zu zerlegen und in wiederverwertbares Pulver zu überführen
Direktes Magnet-zu-Magnet-Recycling
Die Anlage in Pforzheim besteht aus einer Recycling- und Fertigungslinie für gesinterte Seltene-Erden-Magnete im kommerziellen Maßstab, die auf der patentierten „Hydrogen Processing of Magnet Scrap“ (HPMS)-Technologie basiert. Diese wurde an der Universität Birmingham (UK) entwickelt und ermöglicht ein effizientes, umweltschonendes Recycling von NdFeB-Magneten. Bereits im Januar 2026 eröffneten das britische Schwesterunternehmen HyProMag Ltd. und die Universität Birmingham im dortigen Tyseley Energy Park eine entsprechende Anlage.
Anfang April wurden erste Anlaufversuche zur Inbetriebnahme für die Anlage in Pforzheim erfolgreich abgeschlossen. Sie wird noch in diesem Jahr recycelte NdFeB-Produkte herstellen, darunter Legierungspulver, Sinterblöcke und fertige Magnete, kündigt HyProMag an. 2027 soll die Kapazität der Anlage bereits 350 Tonnen erreichen und durch schrittweise Erweiterungen bis 2028 auf bis zu 750 Tonnen pro Jahr gesteigert werden. Das HPMS-Verfahren von HyProMag bewahrt die ursprüngliche Magnetlegierung und ermöglicht so ein direktes Magnet-zu-Magnet-Recycling. Dieser Ansatz senkt dem Unternehmen zufolge die CO₂-Emissionen erheblich – um bis zu 90 Prozent im Vergleich zu Primärproduktionsverfahren – und umgeht gleichzeitig energieintensive Verarbeitungsschritte wie die Metallherstellung und Legierung.
(Erschienen im EU-Recycling Magazin 06/2026, Seite 38, Fotos: HyProMag GmbH)








