Daten schaffen Transparenz im Rückbau und Recycling von Photovoltaik-Modulen
Der Ausbau der Solarenergie schreitet mit hohem Tempo voran. Gleichzeitig wächst der Berg ausgedienter PV-Module und mit ihm der Bedarf an belastbaren Daten, um Rückbau, Transport und Recycling effizient zu planen. Mit dem PV Waste Data Hub hat die JPM Silicon GmbH eine Plattform entwickelt, die eine datenbasierte Sicht auf Installation, Rückbau und Materialströme der PV-Industrie ermöglicht.
Herausforderung: Der unsichtbare Rückbau
Rund 390 Millionen PV-Module, die zwischen 2000 und 2012 installiert wurden – darunter über 100 Millionen in Deutschland –, erreichen in den kommenden Jahren das Ende ihres Lebenszyklus. Doch wie viele Anlagen werden wann rückgebaut – und wo entstehen diese Mengen? Bislang fehlen aktuelle standardisierte Datengrundlagen, die eine koordinierte Planung von Recyclingkapazitäten, Logistik und Materialrückgewinnung ermöglichen. Diese Lücke erschwert Investitionen, verlängert Transportwege und mindert die Ressourceneffizienz.
Die Lösung: Eine zentrale Datenplattform
Der PV Waste Data Hub bündelt Marktdaten, Register, Handels- und Forschungsdaten zu einer einheitlichen Datengrundlage. Er zeigt, wo sich Rückbauvolumina künftig konzentrieren, welche Materialien anfallen und wie sich Stoffströme zeitlich entwickeln. Über interaktive Dashboards können Nutzer gezielt analysieren:
- Rückbaumengen und Materialströme der weltweit wichtigsten PV-Märkte
- Entwicklung von Markt- und Bestandsdaten der PV-Branche
- Prognosen für Recyclingbedarf und Logistikaufkommen
So wird die Rückbaukette transparenter, planbarer und nachhaltiger.
Ein Werkzeug für die gesamte PV-Wertschöpfungskette
Der PV Waste Data Hub entstand im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Kompetenzzentrums KREIS, das als zentraler Ansprechpartner in Südostniedersachsen den Wandel zu einer nachhaltigen Circular Economy und einer gesunden Arbeitswelt gestaltet. Aus dieser Initiative heraus wurde das Konzept zu einer eigenständigen Plattform weiterentwickelt.
Der PV Waste Data Hub bietet Mehrwert für zentrale Akteure der Solarbranche: von Unternehmen bis hin zu Forschung und Verwaltung. Er liefert verlässliche Entscheidungsgrundlagen für Markt- und Kapazitätsplanung, unterstützt Investitionen und Ressourcenmanagement und ermöglicht eine datenbasierte Bewertung von Kreislauf- und Nachhaltigkeitszielen. Hersteller und Systemanbieter gewinnen Einblicke in Rücklaufmengen und Materialanteile, Netzbetreiber und Planer können Rückbaupotenziale einschätzen, während Forschung und Behörden Strategien zur Ressourcenrückgewinnung und Circular Economy entwickeln.
Von der regionalen Initiative zur internationalen Datenplattform
Aus einer regionalen Forschungsinitiative hervorgegangen, hat sich der PV Waste Data Hub zu einer international nutzbaren Plattform entwickelt, die globale Märkte und Exportströme abbildet. Mit den Premium- und Enterprise-Versionen wird sie um Materialflussanalysen und neue Schnittstellen für Forschung, Industrie und Verwaltung erweitert. So entsteht eine digitale Infrastruktur, die den gesamten Nutzungszyklus von PV-Modulen von der Installation bis zum Recycling transparent darstellt und vergleichbar macht. Der PV Waste Data Hub zeigt, wie datengetriebene Lösungen die Energiewende um eine neue Dimension erweitern: die Datenwende. Mit verlässlichen Informationen über Rückbau und Recycling schafft die Plattform die Grundlage, Photovoltaik nicht nur klimafreundlich zu erzeugen, sondern auch umweltgerecht zu recyceln.
(Erschienen im EU-Recycling Magazin 01/2026, Seite 19 -Fachbeitrag-, Foto: MSV, KI-generiert)











