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Metallschrotte: Offene Märkte sichern, Rohstoffabflüsse gezielt begrenzen

Nach der vorgelegten Liste der Europäischen Kommission zum Export nicht-gefährlicher Abfälle in Drittstaaten präsentiert der BDE Kriterien für fairen Handel und gezielte Maßnahmen. Wie Europa seine Versorgung mit Recyclingrohstoffen sichert und zugleich offene Märkte erhält, ist eine zentrale Frage der europäischen Rohstoffpolitik. Besonders deutlich zeigt sich das derzeit am Beispiel von Aluminiumschrott. Mit der neuen EU-Abfallverbringungsverordnung sind bereits strengere Regeln für Exporte in Nicht-OECD-Staaten beschlossen. Ab Mai 2027 werden Exporte nicht-gefährlicher Abfälle dorthin grundsätzlich untersagt; Ausnahmen sind für Länder und Abfallströme möglich, die die Voraussetzungen einer ordnungsgemäßen Behandlung erfüllen.

Welche Exporte künftig möglich bleiben, ist derzeit noch nicht abschließend festgelegt. Die Kommission legt für die Prüfung im Bereich metallischer Abfälle allerdings einen strengeren Maßstab an als bei anderen Abfallströmen. Bei den hier diskutierten Metallfraktionen handelt es sich um grün-gelistete, nicht-gefährliche Abfälle zur Verwertung; für den BDE ist zugleich selbstverständlich, dass sie nur in Anlagen verbracht werden dürfen, die eine umweltgerechte Behandlung nach entsprechenden Standards gewährleisten. Gleichzeitig wird auf europäischer Ebene darüber diskutiert, ob zusätzliche handelspolitische Maßnahmen erforderlich sind, um den Abfluss von Aluminiumschrott aus Europa zu begrenzen.

Kriterien für einen differenzierten Umgang
Für den BDE zeigt die Debatte, dass es bei Exportbeschränkungen keine pauschalen Antworten geben kann. Mit seinem Forderungskatalog zum Export von Stahl- und Metallschrotten legt der Arbeitskreis Metallrecycling des Verbandes Kriterien für einen differenzierten Umgang mit Recyclingrohstoffen vor. „Rohstoffsicherheit und fairer Wettbewerb hängen eng zusammen: Europa braucht offene Märkte, aber auch die Möglichkeit, bei kritischen Rohstoffabflüssen gezielt zu reagieren. Entscheidend ist, nach Rohstoff, Markt und Versorgungslage zu unterscheiden, statt pauschale Exportbarrieren zu errichten“, erklärt Bernd Fleschenberg, Vorsitzender des Arbeitskreises Metallrecycling im BDE und COO der TSR Group.

Gemeinsam mit den Expertinnen und Experten seiner Mitgliedsunternehmen im Bereich Metallrecycling hat der BDE vier zentrale Forderungen für eine nationale und europäische Rohstoffstrategie entwickelt:

1. Fairer und umwel­tkonformer Handel
Der BDE spricht sich entschieden für den fairen und umweltkonformen Handel mit Eisen- und Nichteisenmetallen zur stofflichen Wiederverwertung aus. Insbesondere im Binnenmarkt nicht verarbeitbare oder nicht nachgefragte Qualitäten und Mengen müssen weiterhin exportiert werden dürfen, sofern Umweltstandards eingehalten werden. In bestimmten Fällen sind aber auch gezielte Gegenmaßnahmen zur Sicherstellung der Versorgung mit kritischen Rohstoffen, wie bestimmte Metallschrott-Qualitäten, erforderlich.

2. Keine pauschalen, sondern gezielte Exportbeschränkungen
Die auf europäischer Ebene diskutierten pauschalen Exportbeschränkungen wie Ausfuhrzölle lehnt der BDE ab. Es sei denn, andere Wirtschaftsräume führen ihrerseits Exportbeschränkungen ein oder das Abfließen eines kritischen Rohstoffs aus der EU wird festgestellt – in einem Maße, das die Versorgungssicherheit der EU gefährdet. In diesem Fall sollte die EU zum Schutz des fairen Wettbewerbs („Level Playing Field“) vergleichbare Exportbeschränkungen gegenüber betroffenen Wirtschaftsräumen und Materialfraktionen erwägen.

3. Einheitliche und klar kommunizierte Einstufungskriterien
Für einen funktionierenden europäischen Binnenmarkt für Abfälle und Recyclingrohstoffe bedarf es einheitlicher und klar kommunizierter Einstufungskriterien, die EU-weit harmonisiert und konsequent angewendet werden. Nur so kann Rechtssicherheit geschaffen und der grenzüberschreitende Handel erleichtert werden.

4. EU-First-Ansatz – Stärkung der EU-Versorgung und Binnennachfrage
Gleichzeitig bekennt sich der BDE mit einem klaren „EU-First-Ansatz“ zur Partnerschaft mit der europäischen Stahl- und Metallindustrie. Denn der bevorstehende technologische Wandel – etwa der Umstieg von der Hochofen- zur Elektroofenroute in der Stahlproduktion – wird den Bedarf der Industrie an hochwertigen Recyclingrohstoffen deutlich erhöhen. Gleichzeitig trägt der Einsatz von Recyclingrohstoffen erheblich zur Reduzierung der Gesamtemissionen in der Stahlerzeugung bei und sichert darüber hinaus die Unabhängigkeit Europas von sensiblen Lieferketten.

Bernd Fleschenberg abschließend: „Wir sind als Recyclingwirtschaft Rohstofflieferant der Industrie. Unser Ziel muss deshalb sein, möglichst viele Recy­clingrohstoffe hochwertig aufzubereiten und wieder in indus­trielle Wertschöpfungsketten zurückzuführen. Das spart Energie und CO₂, verringert Importabhängigkeiten und stärkt die Resilienz unserer Industrie. Dafür brauchen wir verlässliche Märkte und Rahmenbedingungen, die Kreisläufe tatsächlich ermöglichen.“

Quelle: BDE

(Erschienen im EU-Recycling Magazin 11/2026, Seite 4, Foto: Trimet Aluminium SE)

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