Schrottmarkt kompakt: Überwiegende Zurückhaltung
Nach den Sommerferien belebte sich die Nachfrage nach Stahlschrott in den europäischen Werken bei gutem Angebot spürbar. Im Berichtsmonat September bewegten sich die Preise seitwärts bis leicht steigend, gestützt von vorsichtig anziehender türkischer Nachfrage. Die Stahlwerke in Italien hingegen senkten die Preise um rund fünf Euro pro Tonne, was mit guter Verfügbarkeit von Inlandsschrott begründet wurde.
Die eigentliche Herausforderung blieb im September die Logistik: Niedrige Pegelstände auf den Binnenwasserstraßen schränkten die Schifffahrt massiv ein, und auch die Bahn war keine Alternative – es fehlte an Waggons und Personal. Viele Recyclingbetriebe stießen mit ihren Lagerkapazitäten an die Grenzen. Wie sich der Schrottmarkt im Oktober entwickelte, dazu lagen bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe (20. Oktober 2026) noch keine aussagekräftigen Daten vor. Die IKB Deutsche Industriebank AG erwartet bei höherer türkischer Nachfrage, steigenden Exportpreisen und guter Auslastung der Stahlwerke Preissteigerungen von 5 bis 10 Euro pro Tonne. Andere Marktteilnehmer rechnen – je nach Schrottsorte und Verfügbarkeit und trotz hoher Energiekosten – sogar mit 10 bis 15 Euro mehr pro Tonne.
Der europäische Edelstahlmarkt agiert derzeit verhalten. Handelspolitische Maßnahmen verbesserten zwar die Rahmenbedingungen; eine nachhaltige Belebung der Endnachfrage ist aber nicht erkennbar. Auch beim Aluminium überwog im September die Zurückhaltung. Nach einem Aufwärtstrend zu Monatsbeginn gaben die Notierungen wieder nach. Gleichzeitig bleibt Aluminiumschrott knapp, da sinkende Produktionsmengen in der Industrie das Angebot weiter verringern. Neben der LME-Entwicklung bleibt die Schrottverfügbarkeit der zentrale Preisfaktor. Eine weitere konjunkturelle Abschwächung in Deutschland und Europa könnte die Nachfrage zusätzlich belasten.
Der Kupferpreis stieg auf rund 14.800 US-Dollar pro Tonne – ein Plus von etwa 19 Prozent seit Jahresbeginn. Haupttreiber war die US-Zollpolitik: Die Erwartung möglicher Importzölle löste massive Lieferungen in die USA aus und halbierte die LME-Bestände seit Mitte Mai zeitweise beinahe. Ganz anders in Deutschland: Die physische Nachfrage ist stark zurückgegangen, während hohe LME-Notierungen die Hüttenabschläge weiter steigen ließen. Mit deutlichen Preisschwankungen, insbesondere bei Gewinnmitnahmen, ist weiterhin zu rechnen.
(Erschienen im EU-Recycling Magazin 11/2026, Seite 30, Foto: O. Kürth)











