Schrottmarkt kompakt: Preisanstieg trotz Nachfrageschwäche

Im Berichtsmonat April zeigten die Stahlschrottpreise eine leichte Aufwärtsbewegung, wenn auch die Nachfrage allgemein etwas zurückging. Viele Stahlwerke decken ihren Bedarf nun kurzfristig. Nach einer Seitwärtsphase stiegen im April die Preise für Altschrott um circa 10 und für Neuschrott um bis zu 5 Euro pro Tonne. Die Nachfrage türkischer Stahlproduzenten, die zuvor zwei Monate lang zurückhaltend im Markt agiert hatten, lebte wieder auf (Quelle: IKB Rohstoffpreis-Information vom 6. Mai 2026).

Wie sich der Schrottmarkt im Mai entwickelte, dazu lagen bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe (18. Mai 2026) noch keine aussagekräftigen Daten vor. Der anhaltende Nahostkonflikt und die damit verbundene globale Verunsicherung belasten weiterhin den internationalen Schrotthandel und die Kreislaufwirtschaft. Hohe Energiepreise sowie gestörte Lieferketten treiben die Produktions- und Logistikkosten in die Höhe und verstärken die Marktunsicherheit. Die IKB Deutsche Industriebank AG und andere Marktakteure prognostizieren weiter steigende Stahlpreise. Anders die Situation bei Industriemetallen: Die Nickel-Notierung stieg im Berichtsmonat April deutlich auf über 19.000 US-Dollar pro Tonne, wobei die Auswirkungen auf Edelstahlschrotte begrenzt bleiben. Die Werke haben ihren Bedarf reduziert und passen die Nickel-Inhaltspreise an. Bei Wolfram-legierten Werkstoffen ist – bedingt durch spezifische Nachfrage – eine explosive Preisentwicklung zu beobachten.

Seit Beginn des Irankriegs stieg der Preis für Primäraluminium um 17,3 Prozent auf 3.600 US-Dollar pro Tonne. Die IKB erwartet aufgrund der angespannten geopolitischen Situation bis Ende des ersten Halbjahres einen Primäraluminiumpreis von 3.650 US-Dollar pro Tonne in einem Band von plus 200 US-Dollar pro Tonne. Bei Sekundär-Aluminiumschrotten verschärfen sich die Engpässe. Die Verfügbarkeit ist stark eingeschränkt; die Sekundärschmelzwerke sind gut ausgelastet. Die Preise für Sekundäraluminium und Umschmelzblöcke steigen deutlich – verstärkt durch die Lieferunterbrechungen von Primäraluminium aus der Golfregion.

Der Kupfermarkt bleibt angespannt und volatil. Die Werke passen ihre Hüttenaufschläge flexibel an die Kursentwicklung an. Zwar gilt die Versorgung mit Kupferschrotten derzeit als gesichert, doch hohe Energiekosten und die Beschaffung von Betriebsmitteln wie Schwefel stellen weiterhin große Herausforderungen dar.

(Erschienen im EU-Recycling Magazin 06/2026, Seite 32, Foto: O. Kürth)