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Österreichs Abfallwirtschaft: Gute Quoten, große Mengen und offene Baustellen

Österreich verfügt über eine dicht organisierte und vergleichsweise umfassend dokumentierte Abfallwirtschaft. Deren Situation stellt das Umweltministerium in einem jährlichen Statusbericht vor: Die neueste Bestandsaufnahme aus 2026 umfasst 273 Seiten und bezieht sich auf das Jahr 2024.

Insgesamt fielen 2024 in Österreich rund 67 Millionen Tonnen Abfälle an. Das Aufkommen stagnierte damit nach Rückgängen in den Jahren zuvor. Allerdings wird die österreichische Abfallbilanz massiv vom Baugeschehen geprägt: Knapp 57 Prozent des gesamten Aufkommens entfallen auf Aushubmaterialien. Ohne diese Fraktion bleiben rund 3.160 Kilogramm Abfall je Einwohner und Jahr.

Von der Gesamtmenge wurden 54 Prozent stofflich verwertet. Dieser Wert darf allerdings nicht mit einer Recyclingquote gleichgesetzt werden: Lediglich 36 Prozent wurden recycelt; weitere 18 Prozent entfielen auf Verfüllungsmaßnahmen. 38 Prozent der Abfälle wurden deponiert, sechs Prozent thermisch behandelt und weniger als drei Prozent auf anderen Wegen, beispielsweise chemisch-physikalisch, behandelt.

Recycling von Siedlungsabfälle über Quote
Deutlich besser fällt die Bilanz bei den Siedlungsabfällen aus. 2024 entstanden rund 7,1 Millionen Tonnen; etwa 4,6 Millionen Tonnen stammten aus Haushalten und ähnlichen Einrichtungen. Rund 4,3 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle wurden recycelt und weitere 42.000 Tonnen für eine Wiederverwendung vorbereitet. Daraus errechnet sich eine Recyclingquote von knapp 61 Prozent. Sie liegt deutlich über dem für 2025 geltenden EU-Ziel von 55 Prozent. Insgesamt wurden rund drei Millionen Tonnen Altstoffe getrennt gesammelt, entsprechend 332 Kilogramm pro Einwohner.

Allerdings nahmen die Haushaltsabfälle 2024 um mehr als vier Prozent zu. Daran trägt teilweise das Hochwasser im Herbst Schuld, das insbesondere das Sperrmüllaufkommen erhöhte. Dieses stieg um 13 Prozent auf rund 276.000 Tonnen. Elektroaltgeräte, Problemstoffe und Altbatterien legten zusammen um elf Prozent auf rund 180.000 Tonnen zu; bei biogenen Abfällen und Grünabfällen betrug das Plus vier Prozent.

Bei organischen Stoffströmen verfügt Österreich über eine ausgeprägte Verwertungsstruktur. Rund 3,2 Millionen Tonnen biogener Abfälle fielen 2024 an; davon wurden knapp zwei Millionen Tonnen getrennt gesammelt. 404 Kompostierungsanlagen verarbeiteten rund 1,4 Millionen Tonnen pflanzlicher Abfälle. Daraus entstanden wenigstens 506.600 Tonnen Kompost für Landwirtschaft, Gartenbau und Rekultivierung.

Kunststoffe: Ziele verfehlt
Deutlicher Handlungsbedarf besteht bei Kunststoffen. Rund eine Million Tonnen solcher Abfälle fallen jährlich an; 2024 wurden davon lediglich etwa 169.000 Tonnen unmittelbar getrennt erfasst. Der übrige Anteil steckt weiterhin in gemischten Abfällen wie Rest- und Sperrmüll. Insgesamt werden nur ungefähr 20 Prozent der Kunststoffabfälle recycelt, während rund vier Fünftel in die thermische Verwertung gehen. Auch bei Verpackungen besteht Bedarf: Für 2023 nannte das Umweltministerium eine Recy­clingquote von lediglich 27 Prozent.

Seit 2025 verändert sich deshalb die Verpackungssammlung grundlegend. Kunststoff- und Metallverpackungen werden nun österreichweit gemeinsam über Gelbe Tonne und Gelben Sack erfasst. Gleichzeitig startete ein Einwegpfand-System für Kunststoffflaschen und Metalldosen. Dadurch kamen im ersten vollständigen Jahr rund zwei Milliarden Pfandgebinde in Verkehr; rund 1,4 Milliarden gingen zurück. Die errechnete Sammelquote lag bei 81,5 Prozent.

Blick auf die Zukunft gesetzt
Nicht überall sind die gesetzlichen Sammelziele erreicht. Bei Elektro- und Elektronikaltgeräten wurden 2024 rund 160.600 Tonnen gesammelt. Die daraus berechnete Sammelquote von 51 Prozent blieb deutlich unter der Vorgabe von 65 Prozent; ohne Photovoltaikmodule wären 62 Prozent erreicht worden. Bei Gerätealtbatterien verlief die Entwicklung günstiger: 3.538 Tonnen wurden gesammelt; die Quote von 53 Prozent übertraf die damalige Mindestanforderung von 45 Prozent. Österreich versucht gleichzeitig, den Blick – über klassische Entsorgung und Recycling hinaus – auf die gesamte Ressourcennutzung zu richten. Die 2022 beschlossene Kreislaufwirtschaftsstrategie sieht bis 2030 unter anderem eine Begrenzung des inländischen Materialverbrauchs auf 14 Tonnen pro Kopf und Jahr, eine Steigerung der Ressourcenproduktivität um 50 Prozent und eine Zirkularitätsrate von 18 Prozent vor. Bis 2050 soll der Material-Fußabdruck auf sieben Tonnen pro Kopf sinken. Der zweite Fortschrittsbericht von 2026 sieht bei Ressourcenverbrauch, Ressourcenproduktivität und Zirkularität zwar eine grundsätzlich positive Entwicklung, macht aber zugleich deutlich, dass der Umbau noch lange nicht abgeschlossen ist.

Offene Aufgaben
Österreich besitzt somit eine leistungsfähige Sammel- und Behandlungsstruktur und erreicht insbesondere bei Siedlungsabfällen hohe Recyclingwerte. Das Gesamtbild ist jedoch weniger eindeutig: Aushub dominiert die Abfallmengen, ein erheblicher Anteil wird verfüllt oder deponiert, Kunststoffe werden überwiegend verbrannt, und bei Elektroaltgeräten wird die Sammelvorgabe verfehlt. Die nächsten Schritte der Kreislaufwirtschaft sind deshalb weniger daran zu messen, wie gut Abfälle entsorgt werden, sondern daran, wie stark Primärrohstoffverbrauch und Abfall­entstehung tatsächlich sinken.

(Erschienen im EU-Recycling Magazin 11/2026, Seite 14, Foto: MSV, KI-generiert)

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