Vom Getränkekarton zur nachhaltigen Versandbox

Studenten des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben einen Prozess entwickelt, durch den bislang kaum rezyklierbare Kunststoffe aus Lebensmittelverpackungen zu mehrfach nutzbaren Versandkisten verarbeitet werden können.

Bild 3: Das Team des KIT war mit seiner Recyclingidee beim Chemplant-Wettbewerb des VDI erfolgreich: Lukas Richter, Tom Poppe, Philipp Beeskow, Jonas Jaske, Paul Neugebauer (von links) (Foto: Tom Poppe, KIT)

Lebensmittelverpackungen sind zumeist Multilayerverpackungen und bestehen aus einzelnen millimeter- bis nanometerdünnen Schichten unterschiedlicher Kunststoffe wie Polyethylen, Polypropylen oder PET. Die einzelnen Schichten werden mithilfe von Kunststoffklebern wie beispielsweise Polyurethan zusammengehalten. Sie lassen sich bekanntlich nicht mit klassischen Verfahren wie Zerkleinern, Sieben und Zentrifugieren voneinander trennen und auch nicht durch Wärme voneinander lösen, da ihre Schmelzpunkte zu nahe beieinanderliegen.

Paul Neugebauer, Master-Student in Chemieingenieurwesen und Verfahrenstechnik am KIT, und vier weitere Nachwuchsingenieure aus demselben Semester haben einen Recyclingprozess entwickelt, bei dem Lösungsmittel den Kleber zwischen den Folien herauslösen, um diese sortenrein trennen zu können.

Ein Konzept, das überzeugt
Recycled Polymer Packaging Karlsruhe, kurz RepoPaK, nennen die Studenten die nachhaltige Versandkiste, welche aus Altkunststoffen hergestellt wird. Das RepoPaK lässt sich mit Drohnen transportieren, ist wasserfest und durch seine Wabenstruktur stabil und leicht. „Somit ist es im Vergleich zum heute üblichen Pappkarton für den voll automatisierten Versand der Zukunft ideal geeignet“, sagt Philipp Beeskow vom Team RepoPaK. Ein weiterer Clou ist die Faltbarkeit der Boxen. Die Kisten unterschiedlicher Größe – vom Schuhkarton bis zum großen Gewerbepaket – lassen sich aus einem für das jeweilige Volumen geeigneten Recycling-Kunststoff fertigen, der am Ende der „Lebensdauer“ problemlos wiederzurückgewonnen werden kann.

Mit ihrem Konzept überzeugten die Nachwuchsingenieure am KIT beim bundesweiten Chemplant-Wettbewerb der kreativen jungen Verfahrensingenieure (kjVI) in der Gesellschaft Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und erhielten 2021 den ersten Preis. Die Herausforderung war, ein innovatives, nachhaltiges und wirtschaftliches Konzept für das Recycling hin zu einem höherwertigen Produkt zu entwickeln. Dafür war der Haushalts-Abfallmix einer typischen Großstadt der Ausgangspunkt.

www.kit.edu

(Erschienen im EU-Recycling Magazin 01/2022, Seite 37, Abbildung: Team RepoPak, KIT)

 

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