CO2-Recycling: Die Plasma-Katalyse-Technologie von enaDyne

Das 2022 im sächsischen Freiberg von Martin Drößiger, Philipp Hahn, Christian Koch und Torsten Lorenz gegründete Unternehmen enaDyne GmbH hat ein innovatives Verfahren für eine nicht-thermische Plasmakatalyse entwickelt.

Es ermöglicht, CO2 mit geringem Energieaufwand in Methanol, Ethylen und andere Kohlenwasserstoffverbindungen umzuwandeln, wie sie in großer Menge zur Herstellung langlebiger Produkte benötigt werden. Bislang werden diese Verbindungen fast ausschließlich durch Verarbeitung fossiler Rohstoffe hergestellt.

Im Kampf gegen den Klimawandel kommt der Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre eine wichtige Bedeutung zu. Allerdings ist die Technologie im derzeitigen Entwicklungsstadium weder effizient noch rentabel. Das von der Leipziger enaDyne GmbH entwickelte Plasma-Katalyse-Verfahren zum Recycling von CO2 an industriellen Punktquellen soll hingegen kurzfristig und profitabel für eine deutliche Verringerung des CO2-Ausstoßes sorgen.

„Angesichts des fortschreitenden Klimawandels ist es außerordentlich wichtig, technologieoffen an der Erreichung der Klimaziele zu arbeiten. Dabei sollten auch Machbarkeit und Effizienz eine Rolle spielen, und hier sind wir mit unserer Plasma-Katalyse derzeit deutlich weiter. Carbon Capture und Storage haben sicherlich eine große und wichtige Zukunft, aber in der Gegenwart sind die Kosten für die Entnahme von CO2 aus der Luft und die Lagerung im Boden noch enorm hoch. Außerdem sind die entnommenen Mengen im Vergleich zum CO2-Ausstoß verschwindend gering. Die sofortige Entnahme von CO2 an den Quellen seiner Entstehung ist aktuell deutlich effektiver, technologisch einfacher umzusetzen und sorgt für eine sofortige Reduzierung der CO2-Emissionen“, erklärt Philipp Hahn, Geschäftsführer der enaDyne GmbH.

Umweltschutz mit Gewinn
Mit der Plasma-Katalyse-Technologie von enaDyne können den Angaben nach vier Tonnen CO2 – beispielsweise aus der Stahlproduktion – profitabel zu rund einer Tonne „grünes“ Ethylen umgewandelt werden. Den Vermarktungswert schätzt die Deutsche Energie-Agentur (DENA) laut Presse­information auf über 1.500 Euro. So stünden den sonst anfallenden CO2-Vermeidungskosten nun solide Profite gegenüber. „Mit dem enaDyne-Verfahren wird kein CO2 emittiert“, versichert das Unternehmen. Das so gewonnene „grüne“ Ethylen könne als „wichtiges Vorprodukt“ der chemischen Industrie verkauft werden. Mit den durch die Plasma-Katalyse gewonnenen Wertstoffen entfalle auch die Produktion auf der bisherigen Basis fossiler Rohstoffe – „eine zusätzliche CO2-Entlastung für die Umwelt“. Zum Vergleich führt enaDyne an: „Experten schätzen die Kosten für die Entnahme von CO2 aus der Luft auf 600 bis 1.000 US-Dollar pro Tonne. Einige der ersten Verkäufe für die Abscheidung und Speicherung im Jahr 2021 waren sogar noch höher und lagen bei über 2.000 US-Dollar pro Tonne.“

Und auch die Leistungsfähigkeit der aktuell betriebenen Anlagen sei noch überschaubar: Die weltgrößte Anlage zur CO2-Speicherung in Island entnehme der Atmosphäre gut 4.000 Tonnen CO2 pro Jahr. Dagegen könne die enaDyne-Technologie in modularen Container-Systemen flexibel und skalierbar auch Methanol oder Formaldehyd überall dort umweltfreundlich herstellen, wo CO2 in Biogasanlagen oder Punktquellen der Industrie anfällt. Und dies mit hoher Effizienz: Ein Plasmakatalyse-Reaktor des Herstellers könne jährlich bis zu 4.000 Tonnen CO2 in „grüne“ Chemikalien umwandeln.

Patentierte Keramik als Gamechanger
„Herzstück“ der Entwicklung von enaDyne ist ein nicht-thermischer Plasmakatalyse-Reaktor. Dieser kann aus CO2 und einer Wasserstoffquelle – beispielsweise „grünem“ Methan – C1- bis C4-Kohlenwasserstoffe gewinnen, die wiederum zur Produktion von nachhaltigen Treibstoffen und als Grundchemikalien genutzt werden können. Der technologische Gamechanger ist dabei eine spezielle und patentierte Keramik, die in den enaDyne-Reaktoren als aktive Elektrode verwendet wird. Die Technologie reduziert den Energieeinsatz – wie es heißt – drastisch, macht das Plasma besser kontrollierbar und ermöglicht einen flexiblen Einsatz der Reaktoren in verschiedensten Anwendungsbereichen.

enadyne.de

(Erschienen im EU-Recycling Magazin 01/2024, Seite 41, Foto: Gerd Altmann / pixabay.com)