Schrottmarktbericht November 2025: Marktdifferenzierungen erfordern Flexibilität und Reaktionsschnelligkeit
Das von der Bundesregierung geschaffene Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“ in Höhe von 500 Mrd. EUR sollte den Investitionsstau lösen – den Bau von Brücken, Bahngleisen und Schulen voranbringen – zusätzlich zum regulären Haushalt. Neue Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigen: Von den bis 2029 aufgenommenen Krediten in Höhe von 271 Mrd. EUR werden bis zu 133 Mrd. EUR zweckentfremdet, das sind 50 Prozent. IW-Experte Tobias Hentze stellt fest: „Mit diesem Verschiebebahnhof gefährden Bund und Länder die Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Grundsätzlich ist das Sondervermögen richtig, um die marode Infrastruktur und die dringend notwendige Transformation schnell voranzubringen. Tatsächlich stopft die Bundesregierung aber Teile der Haushaltslöcher. Hier muss die Politik einhalten, was sie versprochen hat, sonst vergibt sie die Chance auf langfristiges Wachstum, mahnte Hentze weiter.
Schrottmarkt
Während Ende Oktober noch nicht absehbar war, in welche Richtung sich der Schrottmarkt bewegt, wies er Anfang November sehr stabile Tendenzen auf. Es zeigt sich aber immer mehr, die Dynamik und die Marktdifferenzierung schreitet auch auf dem deutschen Schrottmarkt immer weiter voran. Flexibilität und Anpassungsfähigkeiten erlangen eine immer größere Bedeutung und erfordern permanente Neuausrichtung und zielgerichtete Reaktionsschnelligkeit auf dem Schrottmarkt.
Schrottpreise wurden im November überwiegend auf unveränderter Basis vom Vormonat überführt. Einige Werke mussten jedoch Preiserhöhungen im Bereich von 5 €/t bis 10 €/t akzeptieren, eine Anpassung hervorgerufen durch unterschiedliche Materialverfügbarkeiten und Nachholeffekten. Der tendenziell anziehende Exportmarkt sorgte für eine Marktstabilisierung und veranlasste einige Abnehmer, sich daran auszurichten. Positive Zeichen aus der Politik, abgeleitet durch den Stahlgipfel, sorgten für eine leicht freundlichere Stimmung auf dem Stahlmarkt. Dennoch verbreitete sich ein überwiegend lustloser Schrottmarkt, der eine Euphorie für eine wahre Aufbruchsstimmung missen ließ. Zumal die deutsche Rohstahlproduktion 2025 voraussichtlich nochmal deutlich unter dem Vorjahr liegen wird.
Die Schrottwirtschaft kämpft gegen sinkendes Mengenaufkommen und schwindende Margen, bei verhaltenen Bedarfen. Einige metallverarbeitende Unternehmen stoßen zum Jahresende erfahrungsgemäß Sonderverschrottungsaktionen an. So berichten einige Schrotthändler von einem recht guten Altschrottaufkommen, andere sehen diese Situation ähnlich angespannt wie bei den Neuschrottabfällen.
Schrott in den Regionen
Das Preisgefüge in Norddeutschland gestaltet sich sehr unterschiedlich. Hier kam es im Allgemeinen zu höheren Preistendenzen von 5 €/t bis 10 €/t. Der in diesen Regionen präsenter agierende Exportmarkt hatte einen größeren Anteil an der Ausrichtung und Orientierung bei der Preisfindung. Jedoch gab es auch ein Werk, das Preise aufgrund eines Nachholeffektes aus der vorhergehenden Einkaufsrunde um -5 €/t bis -10 €/t senkte. Im Osten kauften Verbraucher überwiegend auf unveränderter Preisbasis, ein Werk soll jedoch einen preislichen Nachholeffekt nachgekommen sein und Schrottpreise um 10 €/t erhöht haben. Im November kaufte ein Stahlwerk im Westen auf unverändertem Preisniveau ein. Im Südwesten soll ein Werk eine gute Bevorratung aufweisen, das Werk kaufte zu unveränderten Preisen ein. Aufgrund der sehr kurzen Stillstandzeit über die Feiertage scheint die Materialsicherung priorisiert worden zu sein. In der Region Saar zogen Schrottpreise um 15 €/t an. Das Preisniveau lag seit den letzten fünf Monaten außerhalb des Marktes, demnach stellt dieser Preisaufschlag einen Nachholeffekt dar. In Süddeutschland kam es zu einem unveränderten Preisniveau.
Schrott in den Nachbarländern
Französische Abnehmer kauften Schrotte auf unverändertem Preisniveau. Luxemburgische Verbraucher lagen in dem Vormonat preislich niedriger, akzeptierten daher Preiserhöhungen von 5 €/t bis hin zu 10 €/t bei Altschrotten. In Österreich fand eine differenzierte Marktbetrachtung statt. Bei Altschrotten kam es zu einer Preissenkung um 5 €/t und bei Neuschrotten zu einer stärkeren Absenkung um 10 €/t. In der Schweiz wurden Schrottabschlüsse überwiegend zu unveränderten Preisen abgeschlossen. Bei einigen Partien sollen auch leichte Preisaufschläge von 5 €/t gezahlt worden sein. Allgemein liegen Schrottpreise auf einem niedrigen Niveau, verglichen mit dem deutschen Inlandsmarkt. Italienische Schrottpreise lagen im November überwiegend bei unverändert. Es gab allerdings Gesprächsbereitschaft bei Werken, die bereits für Dezember gut gefüllte Auftragsbücher haben. Auf dem polnischen Markt kam es zu Preiserhöhungen um 5-8 €/t. In dem Nachbarland, der Tschechischen Republik, stiegen Schrottpreise um bis zu 10 €/t.
Schrottmarkt international
Türkische Importaktivitäten blieben Ende Oktober verhalten, da Markteilnehmer weiterhin einflussreiche wirtschaftspolitische Ereignisse beobachten, wie die US-chinesischen Zollverhandlungen und die zu diesem Zeitpunkt fortschreitenden Einkaufsverhandlungen auf dem US-Schrottmarkt. Angesichts hoher Frachtraten, knapper Materialverfügbarkeit und alternativen Absatzmärkten, sahen Exporteure keinen Anlass, ihre Positionen aufzuweichen. Ein Marktteilnehmer verwies auf die Schrottnachfrage anderer Regionen außerhalb der Türkei. Der Blick richtete sich u. a. auf die vermehrte Schrottanfrage aus Ägypten und anderen nordafrikanischen Ländern. Der internationale Schrottmarkt verfestigte sich zunehmend.
Ägypten, der größte afrikanische Stahlproduzent mit 10,7 Mio. Tonnen flüssigen Rohstahl in 2024, gehört weltweit zu den Top 20 der Stahlhersteller. Ausländische Schrotthändler berichteten seit August über gestiegene Nachfrage auf den Märkten in Ägypten und weiteren nordafrikanischen Ländern. Sogar belgische und niederländische Exporteure verschifften im Oktober über 170.000 Tonnen, im September und August lagen die Mengen bei 200.000 Tonnen.
Ein wichtiger Faktor bei der internationalen Preisgestaltung war der US-Schrottinlandsmarkt. Internationale Stahlhersteller kehrten mit höheren Geboten auf den US-amerikanischen Massenschrottmarkt der US-Ostküste zurück. US-Exporteure konzentrieren sich vorwiegend auf den Binnenmarkt, der stabil blieb, nach mehreren Monaten mit moderaten Preisrückgängen. Dies führte zu steigenden Importnotierung durch US-Verkäufer. Schrottexporteure bestanden, angesichts geringer Materialverfügbarkeit im Vorfeld der Wintermonate und steigender Logistikkosten, auf höhere Schrottpreise.
Türkische Stahlhersteller sicherten sich in den ersten Novembertagen importierte Schrottmengen aus den USA, dem Baltikum und Kontinentaleuropa. Schrottsammler aus den Benelux-Ländern erhöhten ihre Einkaufspreise für die HMS 1/2 (80:20) um 5 €/t auf 250-260 €/t frei angeliefert Hafenplatz.
Die anhaltende schwache Importnachfrage aus Asien veranlasste US-Verkäufer der US-Westküste, eine Schrottladung HMS 1/2 (80:20) von 50.000 Tonnen in die Türkei zu verkaufen. Die erste Westküstenladung in die Türkei seit 2021. Nach einer Einigung am 10. November zwischen den USA und China wurden, nach vorheriger Erhöhung von Hafengebühren und weiteren Sanktionen, Preisnachlässe bei den Massengutfrachten gewährt. Diese lagen bei bis zu 10 $/t, was die Arbitragemöglichkeiten der US-Westküste in die Türkei ermöglichte. Eine Zunahme der Liefermengen von der US-Westküste schien sehr wahrscheinlich. Neue internationale Preisabschlüsse unterstützten den Markt. US-Exporteure erhöhten daraufhin ihre Angebotspreise und strebten für die HMS 1/2 (80:20) Preise von bis zu 365 $/t CFR Türkei an.
Gießerei
Auf dem Gießereimarkt wird das vermehrte Engagement ausländischer Investoren diskutiert. So übernahm im vergangenen Jahr eine deutsche Tochtergesellschaft der indischen Craftsman Automation Limited den Geschäftsbetrieb der Fronberg Guss, eine Tochter der Gienanth-Gruppe, die große Bauteile für Schiffsmotoren und Baumaschinen herstellt. Mitte dieses Jahres übernahm die türkische Kutluk Döküm Group die insolvente traditionsreiche TEUTOGUSS GmbH in Hörstel-Gravenhorst. Das Unternehmen gehörte vormals zur Hauffe-Gruppe und produzierte mit ca. 50 Mitarbeitenden hochwertige Gussteile. Die international tätige Kutluk Dökum Group ist eine in der Türkei ansässige Gießereigruppe mit langjähriger Erfahrung in der Herstellung von Grau- und Sphäroguss, Stahlguss sowie Aluminiumguss im Handformverfahren und Aluminiumdruckguss. Die türkische Unternehmensgruppe erhofft sich mit dieser Übernahme Zugang zu modernem Know-how, erweitert seine Fertigungsmöglichkeiten und schafft ein starkes internationales Netzwerk. Der Trend, der in der Stahlindustrie bereits durch überwiegend indische Investoren und Eigentümer fortgeschritten ist, erreicht scheinbar auch den Gießereimarkt, wenn auch im geringerem Ausmaß, mit kleineren Akteuren.
Ausblick
Einige Stahlwerke kündigten im November an, monatsübergreifend einzukaufen. Eine Schlüsselfrage bleibt, wie groß die Bedarfsmengen im Dezember tatsächlich ausfallen und wie die Fahrweisen der Stahlwerke aussehen? Viele Stahlproduzenten richten ihre Produktionsweisen an neuen politischen Erkenntnissen aus, warten auf Informationen für den Industriestrom, um absehen zu können, wie sich die Kostenstruktur darstellt. Es ist bei einigen Werken nicht klar, wie die Produktionsweise über den Weihnachtswechsel weiter geht. Umstände, wie Zusatzbedarfe vor oder zwischen den Feiertagen, könnten das Marktbild verändern. Viele Marktteilnehmer stellen für den Schrottmarkt allgemein ein gewisses Maß an Stabilität fest.
Redaktionsschluss 17.11.2025, Johannes Hanke, bvse (Alle Zahlen ohne Gewähr), Foto: O. Kürth











