Gefahrgut im Recycling: Sicherheit und Compliance
Moderne Recyclingbetriebe stehen oft vor einer Herausforderung, die unsichtbar bleibt, bis etwas schiefgeht. In vielen Abfällen lauern Stoffe, die früher harmlos wirkten: ausgelaufene Akkus, Lackreste oder Lösungsmittel. Werden sie falsch gelagert oder transportiert, reichen schon geringe Fehler – und aus Müll wird ein Gefahrstoff mit Risiko für Umwelt und Mitarbeiter. Dieser Artikel zeigt, worauf Unternehmen heute besonders achten müssen.
Risiko durch unscheinbare Abfälle real erkennen
Viele Materialien werden erst dann gefährlich, wenn sie falsch behandelt werden. Was im Haushalt harmlos wirkt – alte Batterien, Farbreste oder Putzmittel – kann im Recyclingbetrieb rasch zu einem sicherheitsrelevanten Problem werden. Beim Pressen, Lagern oder Transportieren entstehen chemische Reaktionen, die Dämpfe freisetzen, Brände verursachen oder giftige Stoffe austreten lassen. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass sogenannter „hazardous waste“ zu den besonders kontrollierten Abfallarten zählt und nur nach klar definierten Verfahren behandelt werden darf.
In der Praxis heißt das: Recyclingbetriebe müssen jedes Material sorgfältig prüfen, bevor es in die Sammelcontainer gelangt. Mitarbeitende sollten geschult sein, die Symbole und Sicherheitskennzeichnungen auf Gebinden zu erkennen und korrekt zuzuordnen. Falsch deklarierte Spraydosen, falsch gelagerte Lösungsmittel oder beschädigte Akkus gehören zu den häufigsten Ursachen für Brände auf Betriebshöfen.
Klare Regeln für die sichere Handhabung
Ein gut organisiertes Gefahrstofflager ist kein bürokratischer Luxus, sondern eine betriebliche Notwendigkeit. Flüssige Chemikalien gehören in dicht verschlossene, klar gekennzeichnete Behälter; feste Stoffe müssen trocken und getrennt aufbewahrt werden. Auffangwannen, rutschfeste Böden und regelmäßige Sicherheitskontrollen senken das Risiko erheblich. Besonders hilfreich sind praxisorientierte Leitfäden, wie sie in Branchenportalen und spezialisierten Ressourcen zu finden sind – etwa ein Guide zur Sicherheit beim Gefahrgut im Recycling, der kompakt erklärt, wie Betriebe Gefahrstoffe korrekt kennzeichnen, lagern und transportieren.
Gesetzliche Regeln und Transparenz als Pflicht
Europäische Vorgaben und nationale Vorschriften verlangen, dass gefährliche Abfälle eindeutig gekennzeichnet, sicher verpackt und getrennt gesammelt werden. Die europäische Waste Framework Directive (2008/98/EG) verpflichtet alle Mitgliedstaaten, den Weg gefährlicher Abfälle vom Entstehungsort bis zur endgültigen Behandlung vollständig nachvollziehbar zu machen. Jeder Stoff, der als gefährlich eingestuft ist, muss eindeutig identifiziert, dokumentiert und gemäß seiner Gefahrenklasse behandelt werden. Die Kontrolle erfolgt über Abfallschlüsselnummern, Sicherheitsdatenblätter und das elektronische Nachweisverfahren (eANV), das in Deutschland Pflicht ist.
Was sich 2025 konkret geändert hat
Ab dem Jahr 2025 traten überarbeitete Bestimmungen des Europäischen Übereinkommens über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR) in Kraft. Diese bringen für Recyclingbetriebe und Entsorger spürbare Änderungen im Alltag. Neu ist vor allem, dass Verpackungen für gefährliche Abfälle künftig zertifiziert, geprüft und eindeutig zuordenbar sein müssen. Improvisierte Behälter, Fässer ohne Zulassung oder beschädigte Gebinde dürfen nicht mehr verwendet werden.
Unternehmen müssen außerdem sicherstellen, dass jede Charge mit einer eigenen Identifikationsnummer erfasst wird – vom Einsammeln bis zur Übergabe an den Entsorgungsfachbetrieb. Die Verpackungen müssen stoßfest, flüssigkeitsdicht und UN-gekennzeichnet sein, also die spezifische Gefahrgutklasse sichtbar tragen. Zusätzlich gelten strengere Anforderungen an die Bündelung: Materialien mit unterschiedlichen Gefahreneigenschaften dürfen nicht mehr gemeinsam transportiert werden, auch wenn sie im gleichen Betrieb anfallen.
Recyclingunternehmen sollten deshalb ihre Lager- und Transportprozesse jetzt überprüfen. Dazu gehört eine Inventur der eingesetzten Behälter, die Kontrolle der UN-Zulassungen und gegebenenfalls die Schulung der Mitarbeitenden im Umgang mit den neuen Kennzeichnungspflichten. Wer rechtzeitig handelt, vermeidet spätere Nachrüstkosten und Bußgelder.
Foto: MSV-Archiv (12.01.2026-Advertorial)











