Albanien: Neustart in eine europäische Abfallwirtschaft

Die albanische Regierung strebt eine EU-Mitgliedschaft bis 2030 an. Daher bemüht sie sich, das nationale Abfallbewirtschaftungssystem zu modernisieren. Doch der Weg dahin ist noch lang.

Neuesten Zahlen des Tiraner Statistikinstituts Instat zufolge stammten 89,5 Prozent der nationalen Abfälle aus Haushalten und ähnlichen Quellen, wurden 76,3 Prozent deponiert, 18,8 Prozent materiell recycelt und 4,9 Prozent mit Energierückgewinnung verbrannt. Die Pro-Kopf-Produktion von kommunalen Abfällen stieg zwischen 2022 und 2024 von 261 auf 322 Kilogramm. 2023 urteilte die EU-Kommission, dass einige Länder – darunter fiel ebenso Albanien – „auch weiterhin den größten Teil ihrer Siedlungsabfälle deponieren und wahrscheinlich das Ziel für 2035 nicht erreichen“ werden.

Abfallquoten deutlich senken
Nach Darstellung der Europäischen Umwelt-Agentur sollen bis 2035 Verpackungsabfälle mindestens zu 60 Prozent wiedergewonnen, je nach Abfallart 15 bis 60 Prozent recycelt, Bioabfälle um 35 Prozent vermindert, Bauabfälle um 70 Prozent gesenkt, Altfahrzeuge mindestens zu 95 Prozent rückgewonnen beziehungsweise mindestens zu 85 Prozent recycelt und Batterien zwischen 50 bis 75 Prozent rückgewonnen beziehungsweise recycelt werden. Ebenso sollen die Abfallmengen für Elektro- und Elektronikaltgeräte, Altöl sowie Reifen deutlich gesenkt werden.

Laut dem Deutsch-Albaner Lulzim Baumann, der Ende 2022 das Startup RecycAL(bania) aus der Taufe hob, mangelt es nicht an Regulierungen oder Vorschriften in Albanien; seit kurzem liegt sogar ein neues Abfallwirtschaftsgesetz vor. „Es hapert im Land jedoch an der Umsetzung und am Bewusstsein für mehr Umweltschutz“, ergänzt Baumann, Geschäftsführer eines kreislauforientierten Parks. Illegale Müllentsorgung gepaart mit Korruption seien „Gift für Umwelt- und Naturschutz“. Meistens werde beispielsweise Plastik-, Papier- und anderer Abfall verbrannt oder lande in Flüssen wie dem Ishmi, „einem der schmutzigsten Flüsse Europas“. Einer Studie der Landwirtschaftlichen Universität von Tirana zufolge „stellten sich die Verschmutzung und das Fehlen von Abwasseraufbereitung signifikant höher als erwartet heraus“: Mehr als 106 illegale Müll-Hotspots wurden festgehalten.

Kreislaufwirtschaft zum Anfassen
Im Juli 2025 forderte das EU-Parlament Albanien auf, der Modernisierung des Abfallbewirtschaftungssystems Vorrang einzuräumen, um die EU-Standards zu erfüllen. Tatsächlich verabschiedete kurz darauf Albanien ein neues Gesetz zur integrierten Abfallwirtschaft, um – wie es auf der Seite des Honorarkonsuls Albaniens in Nordrhein-Westfalen hieß – „die Müllentsorgung effizienter und nachhaltiger zu gestalten und insbesondere die Verschmutzung sowie die häufigen Brände auf illegalen Mülldeponien zu bekämpfen“.

Bereits im März 2025 startete in Tirana ein Kreislaufwirtschafts-Park – gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit rund 125.000 Euro. Für Recycling Albania war dies ein „integrierter, wirkungsvoller Beitrag zu Klimaschutz, Abfallwirtschaft, Bildung, Gesundheit und Gemeinwesenentwicklung“. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde gilt es als Albaniens erstes ökologisch gebautes Bildungszentrum für Abfallmanagement, das praktisches Lernen an einem Recyclingstandort ermöglicht: „Das Projekt bietet Kreislaufwirtschaft zum Anfassen, denn neben Theorie ist vor allem Praxis im Park Trumpf.“ Ziel müsse Müllvermeidung sein, sollte Warendesign und Wiederverwendung umfassen und bis zum Reparieren und Teilen von Produkten reichen.

Investitionen in den Sand gesetzt
Bis zur Realisierung dieser Vorstellungen ist es noch weit. Im September 2025 legte die Regierung von Premierminister Edi Rama dem albanischen Parlament einen Gesetzentwurf vor für eine „integrierte Abfallwirtschaft“, um eine kraftvolle neue Institution zu schaffen: die Nationale Abfallwirtschafts-Agentur (AKEM). Nach Darstellung des Online-Magazins Balkan Insight reagierte die Regierung damit auf Fehler einer vorherigen Verbrennungspolitik, insbesondere, nachdem sich eine Serie von Abfallverbrennungs-Projekten als Irrtum herausstellte, die Konzessionsverträge mit den Müllverbrennungsanlagen in Tirana, Elbasan und Fier aufgekündigt wurden und somit Investitionen an die zehn Millionen Euros während der letzten Dekade verloren gingen. Ein Report des Umweltministeriums kommentierte: „Die Schaffung von AKEM kam zu einem Zeitpunkt, als die Abfallwirtschaft in einer sehr schwierigen Lage steckte.“

Recycling Albania hat sich jetzt unter dem Motto „Beginnt heute, einen Unterschied zu machen“ vorgenommen, mit Kommunen, Händlern und Recyclern wie Agels Albania und Kosovo Glasrecycling-Abfälle zu minimieren und 2030 das EU-Recycling-Ziel von 60 Prozent zu erreichen.

(Erschienen im EU-Recycling Magazin 05/2026, Seite 10, Foto: MSV, KI-generiert)