Schrottmarkt kompakt: Ruhiges Sommergeschäft in engen Märkten
Gestützt durch eine robuste Nachfrage inländischer Stahlwerke und begrenztes Schrottaufkommen, blieben im Berichtsmonat Juni die Stahlschrottpreise – je nach Sorte und regionalem Bedarf – in Deutschland überwiegend stabil.
Nennenswerte Preisbewegungen waren bei solider Auftragslage und entsprechender Auslastung der Stahlwerke nicht zu verzeichnen. Auch die Nachfrage von Abnehmern in europäischen Nachbarländern hielt sich laut Marktakteuren auf gutem Niveau. Das Asien-Exportgeschäft gestaltete sich schwach. Die türkischen Importmärkte zeigten hingegen mehr Bewegung. Dazu, wie sich der Schrottmarkt im Juli entwickelte, lagen bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe (20. Juli 2026) noch keine aussagekräftigen Daten vor.
Die IKB Deutsche Industriebank AG rechnet infolge der traditionellen Werkschließungen in der Sommerferienzeit mit einem moderaten Rückgang der Stahlschrottpreise, da die Nachfrage vorübergehend nachlassen dürfte. Das Rhein-Niedrigwasser schränkt derzeit die Binnenschifffahrt und damit den Güterverkehr und die Logistik in der Recyclingwirtschaft ein. Der Schrotthandel kann nicht auf die Bahn ausweichen, da zu wenig Güterwaggons zur Verfügung gestellt werden können. In der zweiten Hälfte des Berichtmonats Juni sanken die NE-Metallpreise, vor allem wegen nachlassender Nachfrage aus China und den USA. Nickelnotierungen und höher legierte Schrotte verbilligten sich stark, da Werke weniger nachfragten und Einkaufspreise senkten. Aluminium erlebte eine deutliche Korrektur: Die erwartete USA-Iran-Einigung drückte die Energiepreise, die Notierungen fielen um circa 400 US-Dollar pro Tonne. Durch die vorübergehende Öffnung der Straße von Hormus stieg das Angebot, was zugleich die Preise unter Druck setzte.
Die Block- und Sekundärschrottpreise sanken und die Nachfrage nach Primäraluminium schwächelte. Aufgrund von Gewinnmitnahmen und einer kurzfristigen Nachfrageentspannung notierte Kupfer im Juni bei 13.400 US-Dollar pro Tonne leicht rückläufig. Fundamental bleibt das Angebot knapp – bedingt durch Produktionsstörungen und begrenzte Schmelzkapazitäten in China –, während die Nachfrage durch den Ausbau von KI-Infrastruktur und Rechenzentren steigt. Analysten erwarten langfristig weiterhin enge Märkte und Preisaufwärtspotenzial.
(Erschienen im EU-Recycling Magazin 08/2026, Seite 33, Foto: O. Kürth)










