Schrottmarktbericht Januar 2026: Neues Jahr startet mit Preisanstiegen
Die europäische Wirtschaft trübte sich zum Jahresende 2025 stärker ein, als zunächst angenommen. Haupttreiber dieser Entwicklung waren rückläufige Produktionsmengen und ein deutlicher Rückgang bei den Neuaufträgen. In Deutschland fiel die Verschlechterung deutlich ausgeprägter aus. Hier zeigte sich im Dezember die schwächste Wirtschaftsleistung seit Februar 2025. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so extrem, verhielt es sich in Italien und Spanien. Frankreich bildete dabei eine Ausnahme und erzielte die stärkste industrielle Wirtschaftsleistung seit Juni 2022. Im deutschen Maschinen- und Anlagenbau erholte sich die Auftragslage zum Ende des Jahres 2025. In der Gesamtbetrachtung stagnierte diese Branche in den ersten elf Monaten auf Vorjahresniveau.
Die Stahlproduktion brach währenddessen im Jahr 2025 deutlich ein, das vierte Krisenjahr in Folge. Mit 34,1 Mio. Jahrestonnen lag die Rohstahlerzeugung rund 9 Prozent unter dem ohnehin sehr niedrigen Vorjahresniveau. Einen ähnlich niedrigen Wert gab es seit der deutschen Wiedervereinigung nur während der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2009. Zugleich fiel die Kapazitätsauslastung der deutschen Stahlwerke auf unter 70 Prozent, ein kritischer Wert für die energieintensive Stahlindustrie.
Positive Impulse zum Anfang des Jahres kommen aus dem EU-Handelsabkommen mit den MercosurStaaten. Angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftskrise ist die deutsche Industrie angewiesen, neue Märkte zu erschließen und langfristig strategische Partner zu finden. Mit dem Inkrafttreten des Abkommens wird die Region als Investitionsstandort für deutsche Unternehmen an Bedeutung gewinnen, so sind sich Experten sicher. Europa sichert sich seinen Platz im globalen Handel – durch Marktöffnung, nicht durch Protektionismus. Das Europäische Parlament entschied in buchstäblich letzter Minute das Abkommen einer Prüfung beim Europäischen Gerichtshof zu unterziehen. Damit wurde das bereits unterschriebene Abkommen abermals in die ungewisse Warteschleife gelegt.
Schrottmarkt
Anfang des neuen Jahres standen Mengensicherungen bei Stahlschrotten im Vordergrund. Die Wintermonate sorgten für reduzierte Sammelmengen und logistische Herausforderungen über sämtliche Verkehrsträger: Straße, Bahn und Wasser. Preiserhöhungen bei Bahntransporten zum neuen Jahr lagen gemäß Marktteilnehmern zwischen 7 bis 10 Prozent.
Allgemein startete die Schrottnachfrage verhältnismäßig gut, das Mengenaufkommen war allerdings verhalten. Dies führte zu erwarteten anfänglichen Preissteigerung im Januar, die zwischen 20-30 €/t lagen. Schrottverhandlungen schlossen letzten Endes bei Preiserhöhungen von 10-15 €/t ab. Stahlwerke kauften im Dezember reduzierte Mengen zu oder schlossen die Monatseinkäufe November und Dezember zusammen. Dies führte zu unterschiedlichen Preisaufschlägen im Januar, abhängig von den vormonatlichen Erhöhungen.
Händler berichteten, dass keine großen Schrottmengen im Markt verfügbar seien, verwiesen auf die angespannte Exportsituation, die im Grunde seit Ende November besteht. Exporteure sahen sich gezwungen, Lagerpreise anzuheben, um den Materialzulauf für bereits verkaufte Schrottladungen zu sichern. Türkische Stahlwerke reagierten Ende vergangenen Jahres angesichts einer stärkeren Stahlnachfrage mit erhöhten Schrottzukäufen. Im Januar waren Preissteigerungen getrieben durch den starken Exportmarkt, besonders durch Auswirkungen der Monate November und Dezember des vergangen Jahres und durch die inländische Stahlnachfrage. Einige Stahlhersteller berichteten von verhältnismäßig guten Produktionsaufträgen im Januar, was die Hoffnung auf zukünftige Schrottbedarfe stärkt. Andere Stahlwerke reagierten verhaltener auf Nachfragen hinsichtlich ihres gegenwärtigen und zukünftigen Produktionsniveaus.
Schrott in den Regionen
Stahlwerke in Norddeutschland schlossen allgemein mit einer Preiserhöhung im Januar von 10 €/t ab. Ein Abnehmer soll höhere Preisaufschläge vorgenommen haben, wegen eines Nachholeffekts aus dem vergangenen Monat. Der Zukauf des Abnehmers erfolgte im vergangen Jahr für die Monate November und Dezember zusammen. In den östlichen Regionen waren Aufschläge differenzierter und im Allgemeinen höher. Dort lagen Preissteigerungen zwischen 10-15 €/t. Preisaufschläge auf niedrigeren Qualitäten fielen tendenziell geringer aus. Ein Werk zeigte nach langer Zeit der Abwesenheit wieder Präsenz im Markt und fragte Schrottmengen nach. Im Westen erhöhten sich Schrottpreise zunächst um 5 €/t. Marktexperten nehmen an, dass eine weitere Schrottausschreibung bei Preiserhöhungen um die 10 €/t liegen könnte. Im Südwesten nahmen Abnehmer Aufschläge von 10-15 €/t vor. Da Vormonatsmengen bei Spänen aufgrund der schwierigen Lagermöglichkeiten begrenzt waren, nahm der Spänezulauf verhältnismäßig langsam zu. Die Saar verzeichnete höhere Preisaufschläge, diese reichten bis zu 20 €/t. Im Süden herrschte im Gegensatz zum Vormonat eine höhere Schrottnachfrage, besonders bei Neuschrotten mit Preisaufschlägen von bis zu 10 €/t.
Schrott in den Nachbarländern
Auf dem luxemburgischen Markt waren Schrottbedarfe im Dezember nicht besonders hoch. Technische Probleme eines Aggregats verzögerten die Produktion immer weiter nach hinten. Im Januar kam es auf der Abnehmerseite zu Preiserhöhungen von 10-15 €/t. Ausgehend von dem Novemberniveau war dies ein übergreifender Preisaufschlag von insgesamt 20 €/t. Schrotte in Österreich erhielten unterschiedliche Preisbewertungen. Stahlwerke versahen Neuschrotte mit Aufschlägen von 10 €/t, Altschrotte schlossen zu einem leicht höheren Niveau von 12 €/t ab. Die schweizerische Nachfrage blieb verhalten, allerdings konnten Schrotthändler je nach Qualität Preisaufschläge von bis zu 15 €/t durchsetzen.
In Italien fanden Verhandlungen in diesem Monat sehr zeitig statt. Schrottpreise erhöhten sich um 5-15 €/t. Marktteilnehmer berichteten, dass die Kaufbereitschaft in Mittelitalien und im Norden ausgeprägter war als in anderen Regionen, allerdings bei einem moderaten Einkaufsvolumen. Langstahlhersteller zeigten ein höheres Kaufinteresse. Sie akzeptierten allgemein Preiserhöhungen zwischen 10-15 €/t. Das Preisniveau in Spanien lag für die Sorte E1 und Shredderschrotte ähnlich wie in Italien, bei der E3 allerdings um etwa 10 €/t höher. Allgemein kauften Stahlhersteller in Südspanien Schrotte um 10 €/t höher ein als im Norden.
Auf dem polnischen Markt war die Materialverfügbarkeit aufgrund großer Temperaturstürze und anderen witterungsbedingten Schwierigkeiten gering. Außerdem sorgte das ukrainische Schrottexportverbot für einen reduzierten Materialzulauf. Preisaufschläge lagen im Bereich von 10-20 €/t. Einige Lagerbetreiber sollen sogar bis zu 25 €/t gezahlt haben. In der Tschechischen Republik stiegen Schrottpreise um umgerechnet 17 €/t an. Das Handelsvolumen war allerdings begrenzt. Schrottzuläufe erfolgen über einige wenige Händler, meist ohne eine breit ausgelegte Ausschreibung. Stahlwerke weisen derzeit nur geringe Bedarfe aus.
Schrottmarkt international
Einige Marktteilnehmer gingen schon im Dezember davon aus, dass Verladepläne für Februar zur Hälfte erfüllt seien. Dies deutete bereits zum Ende des vergangenen Jahres auf ein knappes Angebot und relativ hohe Schrottnachfrage hin. Zu Beginn des neuen Kalenderjahres korrigierten türkische Stahlhersteller, angesichts positiver Stimmung auf dem Importschrottmarkt, ihre Preise für inländische Schrotte nach oben. Gründe in der Preiserhöhung lagen hauptsächlich in der Absicht der Stahlwerke, größere Mengen Schrotte von inländischen Händlern zu beziehen, um gleichzeitig Preise für importierte Schrotte stabil zu halten. Die Nachfrage türkischer Stahlwerke nach Februar-Ladungen war hoch genug, um trotz anhaltender schwacher Betonstahlnachfrage Schrottpreise stabil zu halten.
Die Stimmung auf dem türkischen Stahlmarkt blieb unsicher, obwohl einige Stahlwerke im Flachstahlsegment leichte Zuwächse aufwiesen. Kurzzeitig stiegen Preise für Bewehrungsstähle im letzten Quartal 2025 um bis zu 40 $/t an, bevor sie wieder auf das Ausgangsniveau zurückkehrten. Stahlwerke stuften zunächst die Auffüllung von Lagerbeständen Anfang dieses Monats als nicht eilig ein. Sie prüften zunächst die Aussichten für Fertigstähle bevor sie Verhandlungen aufnahmen. Statt ausländische Schrottlieferungen anzunehmen, konzentrierten sich einige türkische Stahlhersteller auf alternative Optionen. Der türkische Knüppelhersteller Kardemir eröffnete für einen Tag den Inlandsverkauf, schloss ihn Berichten zufolge kurz darauf wieder, nachdem sie beträchtliche Mengen absetzten.
In Indien und Pakistan stiegen Schrottpreise im Januar leicht an. Auf dem US-amerikanischen Schrottinlandsmarkt kam es zu Preiserhöhungen um 30-35 $/t und übertrafen damit die Erwartungen von Branchenkennern deutlich. Dies führte zu erhöhten Preisangeboten der US-Exporteure.
Gießerei
Aus dem Gießereimarkt berichteten Marktexperten von einer reduzierten Auslastung von rund 50 Prozent. Schrottbedarfe blieben weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Diskutiert wird, wie sich der Grenzausgleichsmechanismus bei der CO2-Emission auf den Gießereimarkt auswirkt. Klar ist aber: Der Branchendruck bleibt weiter bestehen. Schrottpreise erhöhten sich für nicht angebundene Mengen um 10 €/t.
Ausblick
Die zunächst erwarteten deutlich höheren Preiserhöhungen bewahrheiten sich im Januar nicht. Dennoch kam es zu Preissteigerungen zwischen 10-15 €/t. Erhöhte Logistikkosten, wie beispielsweise beim Bahnverkehr, aber auch die steigenden Kraftstoffkosten, engen die Preismargen immer weiter ein und erzeugen einen zunehmenden Druck. Einige große europäische Exporteure, so berichteten Markakteure, arbeiten immer noch erhaltene Aufträge ab, sehen die Materialverfügbarkeit weiterhin als eine große Herausforderung an. Mengensicherung steht nach wie vor im Vordergrund.
Im Februar erwarten Branchenkenner auf wichtigen ausländischen Stahlmärkten, hervorgerufen durch die bevorstehende Zeit des Ramadans in der Türkei und den anstehenden chinesischen Neujahresfeierlichkeiten, zunächst keine große Stahlnachfrage. Die Exportmarktnachfrage an Schrotten richtet sich aber bereits jetzt auf die gestartete Einkaufskampagne für den Monat März. Eine Entspannung der Materialverfügbarkeit im Schrotthandel könnte durch eine erneute, dynamische Exportnachfrage durchkreuzt werden.
Redaktionsschluss 21.01.2026, Johannes Hanke, bvse (Alle Zahlen ohne Gewähr), Foto: O. Kürth











