Schrottmarkt kompakt: Die Preise geben nach
Bedingt durch Werksferien, Produktionsstillstände, eine schwache Exportnachfrage und nicht zuletzt Logistikprobleme durch die anhaltende Niedrigwasser-Situation – Einschränkungen in der Binnenschifffahrt, kostenintensive Verlagerung der Schrotttransporte auf Straße und Schiene –, gaben die Stahlschrottpreise im Berichtsmonat Juli nach. Die europäischen Stahlwerke fuhren mit Beginn der Sommerferien ihren Stahlschrottbedarf deutlich zurück.
Wie sich der Schrottmarkt im August entwickelte, dazu lagen bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe (20. August 2026) noch keine aussagekräftigen Daten vor. Marktakteure gehen von einer weiterhin verhaltenen Nachfrage aus. Mit weiter fallenden Schrottpreisen ist zu rechnen.
Wenn sich auch die Rohstahlerzeugung in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum spürbar erholt hat, verharrt doch die Stahlnachfrage auf niedrigem Niveau (Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl). Nach wie vor ist die Auftragslage in wichtigen Abnehmerbranchen wie der Automobilindustrie, der Bauwirtschaft und dem Maschinen- und Anlagenbau als schwach zu bezeichnen, was die verfügbaren Schrottmengen zurückgehen lässt. Die hohen US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumwaren belasten zusätzlich den Handel mit den Vereinigten Staaten. So sind die US-Importe von Stahl- und Aluminiumwaren aus Deutschland um zehn Prozent gesunken (Quelle: Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft).
Der Edelstahl-Schrottmarkt zeigte im Berichtsmonat Juli reduzierte Handelsaktivitäten und eine schwache Nachfrage der Werke. Marktspekulationen infolge von Gerüchten, wonach die indonesische Regierung die Nickel-Abbauquoten weniger stark als erwartet ausweiten wollte, trieben den Nickelpreis in die Höhe. Chinas Exportbeschränkungen sorgen seit Jahresanfang für eine extrem angespannte Lage im Wolframmarkt.
Geopolitische Spannungen (US-Iran-Konflikt, Störungen in der Straße von Hormus) treiben die Primäraluminiumpreise nach oben – das Material bleibt knapp und teuer. Im Gegensatz dazu sinken die Preise für Aluminium-Sekundärschrott, da die Nachfrage aus China vor allem das Primärsegment belebt. Die LME-Aluminiumnotierungen bewegten sich zuletzt seitwärts. Ein Produktionsrückgang in Chile und ein ohnehin angespanntes Angebot ließen im Juli die Kupferpreise auf bis zu 13.700 US-Dollar pro Tonne steigen. Schrottaufkäufer reagieren zurückhaltender. Die Lagerbestände an der Börse sinken und die Schrottpreise geraten unter Druck. Aktuell pendeln sich die LME-Preise bei etwa 12.000 Euro pro Tonne ein.
(Erschienen im EU-Recycling Magazin 09/2026, Seite 33, Foto: Andi Karg)










