Abfallende für mineralische Ersatzbaustoffe: Neue Hürden für Recycling und Marktzugang?
Die europäischen Verbände, Aggregates Europe, Concrete Europe, EAPA, FEAD, FIR, Recycling Europe und FIEC haben sich gemeinsam kritisch mit den vom Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission vorgeschlagenen EU-End-of-Waste-Kriterien für Recycling-Gesteinskörnungen aus Bau- und Abbruchabfällen auseinandergesetzt.
Gemeinsam repräsentieren die sieben Verbände praktisch die gesamte relevante Wertschöpfungskette: vom Abbruch über Abfallwirtschaft und Recycling bis hin zu Gesteinskörnungen, Asphalt, Beton und deren Einsatz im Bau. Allein die FIR-Mitglieder recyceln jährlich mehr als 200 Millionen Tonnen mineralischer Bau- und Abbruchabfälle.
Die europäische Dimension ist erheblich: In der EU-27 wurden 2022 rund 295 Millionen Tonnen Recycling-Gesteinskörnungen produziert. Bislang wurde jedoch nicht quantifiziert, welcher Anteil davon die vorgeschlagenen europäischen EoW-Kriterien tatsächlich erfüllen würde. Deutschland zeigt zugleich das enorme Substitutionspotenzial: jährlich rund 210 Millionen Tonnen mineralischer Abfälle, rund 454 Millionen Tonnen primärer mineralischer Rohstoffgewinnung im Jahr 2024, aber bislang nur etwa 13 Prozent Sekundärbaustoffe am gesamten Gesteinskörnungsbedarf. In den Niederlanden erreichen dagegen bereits rund 20 Millionen Tonnen jährlich über ein seit 2015 etabliertes nationales EoW-System den Produktstatus.
Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage für die europäische Kreislaufwirtschaft: Wird die Harmonisierung dazu beitragen, mehr Primärrohstoffe durch sichere Sekundärrohstoffe zu ersetzen, oder schafft sie unbeabsichtigt neue Hürden für Recycling und Marktzugang? Die sieben Verbände sehen insbesondere bei den Auslaugkriterien, der Verknüpfung mit der Bauproduktenverordnung, Doppelprüfungen und regulatorischen Überschneidungen sowie bei Einschränkungen bestehender und innovativer Recyclingwege weiteren erheblichen Diskussionsbedarf. Es geht ausdrücklich nicht um weniger Umwelt- oder Gesundheitsschutz, sondern um einen risikobasierten und praktikablen europäischen Rahmen, der mehr und hochwertigeres Recycling ermöglicht.
Die ausführliche Stellungnahme der Verbände (in Englisch) ist hier zu finden: recyclingportal.eu/archive/97495
(Erschienen im EU-Recycling Magazin 10/2026, Seite 4)












