Textil-zu-Textil-Recycling auf schwierigem Vormarsch
Das Textil-zu-Textil-Recycling hat zwar bedeutende technologische Fortschritte erzielt, doch steht die Branche bei der Erreichung eines kommerziellen Maßstabs weiterhin vor erheblichen wirtschaftlichen und infrastrukturellen Hürden. Dies geht aus einem 19-seitigen Bericht mit dem Titel „Textile-to-textile recycling: the business case“ hervor, veröffentlicht vom Wirtschaftsinformationsdienstleister Textiles Intelligence.
Demnach hat das Augenmerk der Unternehmensführung auf Nachhaltigkeit nachgelassen, da sich die Firmen verstärkt auf Margen, Budgets und Kapitalrenditen konzentrieren. Gleichzeitig beeinträchtigt der Klimawandel die Lieferketten, die Rohstoffpreise bleiben volatil, und die Vorschriften zu Textilabfällen sowie zur Kreislaufwirtschaft werden strenger. Infolgedessen wird Nachhaltigkeit zunehmend als finanzielles und strategisches Thema betrachtet – und nicht mehr ausschließlich als ökologisches Anliegen.
Nur wenig Material verfügbar
Das reine Textil-zu-Textil-Recycling bietet drei wesentliche geschäftliche Vorteile: Neue Umsatzmöglichkeiten durch kreislauffähige Produkte werden erschlossen, Risiken in der Lieferkette verringert und Unternehmen bei der Einhaltung neuer gesetzlicher Vorschriften unterstützt. Die wirtschaftliche Umsetzung bleibt jedoch eine Herausforderung, da recycelte Fasern in der Regel teurer sind als Neuware und sich die für die Sammlung, Sortierung und Verarbeitung von Textilabfällen erforderliche Infrastruktur erst noch entwickelt.
Zurzeit stammt weniger als ein Prozent der weltweiten Faserproduktion aus recycelten Textilien aus der Vor- und Nachverbrauchsphase (Pre- und Post-Consumer-Bereich). Der Großteil der recycelten Fasern kommt aus anderen Quellen, insbesondere aus Kunststoff-Flaschen. Zudem wurden im vergangenen Jahr nur rund elf Prozent der Post-Consumer-Textilabfälle gesammelt und in Recycling-geeignete Ströme sortiert. Dies schränkt die Verfügbarkeit verwertbarer Ausgangsstoffe für das Textil-zu-Textil-Recycling ein.
Hohe Investitionskosten notwendig
Allerdings schreiten die technologischen Entwicklungen im Bereich des Textil-zu-Textil-Recyclings voran. Das chemische Recycling bietet das Potenzial, Fasern herzustellen, deren Eigenschaften mit denen von Neuware vergleichbar sind. Mehrere Unternehmen – darunter Ambercycle, Circ, Circulose und Syre – entwickeln und skalieren Technologien für das Textil-zu-Textil-Recycling. Allerdings stellen hohe Investitionskosten, die begrenzte Verfügbarkeit von Ausgangsmaterialien, infrastrukturelle Anforderungen sowie der Energieverbrauch weiterhin erhebliche Herausforderungen dar.
Zudem ist der Kostenunterschied zwischen recycelten Fasern und Neuware beträchtlich. Schätzungen zufolge ist recyceltes Polyester 2,6-mal teurer als Polyester aus Neuware. Um bis 2035 eine Textil-zu-Textil-Recyclingquote von 15 Prozent zu erreichen, wären in Europa Investitionsausgaben in Höhe von schätzungsweise 8 bis 11 Milliarden Euro (9,2 bis 12,7 Mrd. US-Dollar) sowie jährliche Betriebskosten von 5 bis 6,5 Milliarden Euro erforderlich.
Der politische Druck steigt
Daher wird die Politik eine wichtige Rolle dabei spielen, das Textil-zu-Textil-Recycling wirtschaftlich tragfähig zu machen. Es ist zu erwarten, dass die EU-Verordnung für ein umweltgerechtes Design nachhaltiger Produkte (ESPR) sowie die Anforderungen an die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) den Druck auf Unternehmen erhöhen, die Auswirkungen ihrer Produkte am Ende ihrer Nutzungsdauer zu berücksichtigen. Dem aktuellen Zeitplan zufolge sollen nationale EPR-Systeme für Textilien bis April 2028 einsatzbereit sein; einige Länder haben solche Systeme bereits eingeführt.
Gleichzeitig können Unternehmen dazu beitragen, das Investitionsrisiko zu verringern, indem sie für mehr Planungssicherheit hinsichtlich der künftigen Nachfrage sorgen. Insbesondere Abnahmeverträge und gemeinsame Einkaufsvereinbarungen würden Recyclingunternehmen die nötige Sicherheit für Investitionen in neue Kapazitäten geben und Markenunternehmen dabei unterstützen, sich den Zugang zu recycelten Fasern zu sichern.
Die Lücke schließen
Auch wenn sich die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Textil-zu-Textil-Recyclings immer deutlicher abzeichnet: Die Umsetzung im industriellen Maßstab hängt von mehr als nur technologischem Fortschritt ab. Die Lücke zwischen technologischem Potenzial und wirtschaftlicher Realität lässt sich nur durch umfangreichere Investitionen, eine zuverlässige Versorgung mit geeigneten Ausgangsstoffen, eine stärkere Nachfrage nach recycelten Fasern sowie unterstützende politische Maßnahmen schließen. Der vollständige Report “Textile-to-textile recycling: the business case” ist über Textiles International zum Preis von 355 Euro erhältlich; weitere Informationen unter https://bit.ly/4yyRHPL.
Quelle: Textiles Intelligence
(Erschienen im EU-Recycling Magazin 11/2026, Seite 21, Foto: MSV, KI-generiert)











