Schrottmarktbericht Juni 2026: Nicht der Verkauf ist das Problem, sondern der Einkauf

Mit den verfolgten Zielen, weniger Abfall, weniger Rohstoffverbrauch und der Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle, brachte das Bundeskabinett das Aktionsprogramm Kreislaufwirtschaft auf den Weg. Investitionen in zirkuläre Technologien und Geschäftsmodelle sollen gestärkt werden.

Der bvse sieht in dem Aktionsprogramm Kreislaufwirtschaft einen wichtigen Schritt – er bleibt aber hinter den Erwartungen zurück, so fasste bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock zusammen. Bereits im Vorfeld äußerte der bvse Forderungen für einen Genehmigungsturbo von Recyclinganlange, um den dringend benötigten Ausbau von Recyclingkapazitäten zu beschleunigen. Ebenso müsse der Bürokratieabbau für Entsorgungs- und Recyclingunternehmen endlich konsequent umgesetzt werden. Es bedarf einfacher Förderprogramme, die Recyclingverfahren vom Technikumsmaßstab in die betriebliche Praxis überführen. Besonders kritisch sieht der bvse, dass die Recyclingwirtschaft seit Jahren in Anlagen, Technologien und Kapazitäten investiert, es aber an stabilen Märkten fehle. Nur wenn diese zentralen Punkte in das Aktionsprogramm aufgenommen werden, kann es sein Ziel erreichen, die Kreislaufwirtschaft in Deutschland tatsächlich zu stärken und nachhaltige Investitionen in Recycling und Ressourcenschutz langfristig zu sichern.

Schrottmarkt
Anfang des Monats versuchten Schrottabnehmer, den weicher gewordenen Exportmarkt auszunutzen, um niedrigere Gebote am Markt zu platzieren. Eine reduzierte Preiserwartung von bis zu 5 €/t wurde zunächst in den Markt gegeben. Da sich der Exportmarkt nach einer leichten Schwäche aber schnell festigte und das inländische Schrottaufkommen nur begrenzt war, schwenkten Stahlwerke schnell zu unveränderten Preisen um, auf die sich der Markt allgemein einigte. Genauso wie es im vorhergehenden Monat zu unterschiedlichen Bewertungen kam, zeichnete sich auch in diesem Monat kein einheitliches Bild im Schrottmarkt ab. Regional fanden daher immer wieder etwas unterschiedliche Preiskorrekturen statt, die von unverändert bis in der Spitze 10 €/t betrugen. Allgemein zeigte sich der Markt bei unveränderten Preisen als stabil und ausgewogen. Viele Schrotthändler bemängeln die angespannte Situation beim Schrottaufkommen. Nicht der Verkauf ist das Problem, sondern der Einkauf von Schrotten, der Materialzulauf zu den Schrottbetrieben.

Schrott in den Regionen
Im Norden lagen Schrottpreise im Juni allgemein bei unverändert, ein Verbraucher legte lediglich bei Spänen einen Preisaufschlag von 5 €/t drauf. Ein weiterer Einkäufer glich einen Nachholeffekt aus dem vergangenen Monat aus und erhöhte die Preise um bis zu 10 €/t. Stahlwerke im Osten des Landes kauften Schrotte zu unveränderten Preisen ein. Ein Stahlhersteller bezog jedoch nur leichte Neuschrotte der Sorte E8 zu unveränderten Preisen, andere Sorten versah er mit leichten Preisaufschlägen von 3-5 €/t. Im Westen erhöhte ein Schrottabnehmer seine Einkaufspreise, resultierend aus einem Nachholeffekt des Vormonats, um 10 €/t. Ein anderes Werk positionierte sich ähnlich. Im Südwesten konnte ein Verbraucher sein Vorhaben, Schrottpreise zu reduzieren, nicht durchsetzen. Es kam zu unterschiedlichen Preisbewertungen bei einzelnen Sorten. Einige Partien wurden zu unverändert gekauft, allgemein kam es zu Preisaufschlägen von 5 €/t, bei besseren Qualitäten sogar bis zu 10 €/t. Im Süden wurden Schrotte mit Preisaufschlägen von 5 €/t gekauft.

Schrott in den Nachbarländern
Der französische Schrottmarkt beendete die Einkaufskampagne im Monat Juni mit unveränderten Preisen. Im Nachbarland Luxemburg schlossen sich Verbraucher dieser Vorgehensweise an und vollzogen eine Seitwärtsbewegung. Preiserhöhungen fanden auf dem österreichischen Markt in Höhe von 10 €/t über alle Sorten statt. Schweizer Stahlwerke schlossen den aktuellen Monat für deutsche Importwaren mit unverändert ab. Allgemein stellten Schrotthändler zwar ein gutes Preisgefüge fest, problematisch sind allerdings ausgereizte Kreditlimits. Vereinzelnd müssen Händler auf Bürgschaften ausweichen, was die Geschäftsabwicklung mit einem höheren Risiko versehen lässt. Italienische Stahlwerke kauften allgemein mit unveränderten Schrottpreisen gegenüber dem Vormonat ein. Spätere Abschlüsse im Monatsverlauf fielen niedriger aus, mit Preisreduktionen von 2-3 €/t, geschuldet dem allgemein weicherem Marktumfeld. Der schwache Absatzmarkt für Fertigstähle sorgte für eine verhaltene Einkaufspolitik bei den Schrotten. Große Impulse vor den Sommerstillständen, die überwiegend im August stattfinden, erwarten Markteilnehmer nicht. Auf dem polnischen Markt zeichnete sich weitestgehend eine Seitwärtsbewegung ab. Einige Abnehmer versuchten Preise um bis zu 5 €/t herunter zu nehmen. Die Schrottbedarfe erreichten ein gewöhnliches Ausmaß. Marktteilnehmer stellten Schwierigkeiten bei Bonusschrotten fest. Dieses Material erzielte eine große inländische Nachfrage, Mengen gelangten aber auch in Containern verladen nach Asien. Auf dem tschechischen Schrottmarkt fand eine Seitwärtsbewegung statt.

Schrottmarkt international
Insgesamt stuften Branchenkenner den Exportmarkt Anfang des Monats als ausgeglichen ein, mit starken Inlandsnachfragen außerhalb Großbritanniens, wo der Verbrauch weiterhin äußerst gering war. Gleichzeit begann in Asien die Monsunzeit, wodurch der Materialbedarf sank.

Türkische Stahlwerke wiesen zunächst konkrete Angebote für größere Stahlschrottmengen zurück. Dadurch blieb die Importaktivität gedämpft, Preise unverändert. Einige ältere Verträge aus Mai gelangten in die Verhandlungsdiskussionen, waren aber für das ausgewiesene Preisniveau nicht relevant. Türkische Verbraucher strebten für europäische Schrotte max. 400 $/t CFR Türkei und darunter an. Für US-Schrotte leitete sich ein Preisniveau von 405 $/t CFR Türkei ab. US-Angebote lagen auf dem internationalen Importmarkt jedoch nicht vor.

Ein skandinavischer Exporteur verkaufte eine HMS 1/2 (80:20) an ein Werk in Samsun zu einem Preis von 409 $/t CFR Türkei. Angesichts schwächerer Nachfrage und niedriger Gebote versuchten Exporteure Sammelkosten zu senken. Einige europäische Exporteure reduzierten Lagerpreise für HMS 1/2 (80:20) auf 290 €/t frei angeliefert Hafenplatz. Der Materialzulauf gestaltete sich zunehmend als schwierig.

Nach Rückkehr aus den Feiertagen zum Opferfest Eid al-Adha zeigten türkische Stahlhersteller wenig Eile, Verkaufsabschlüsse zu erwirken. Stahlwerke strebten weiterhin niedrigere Schrottpreise an, konkrete Angebote lagen nicht vor. Bei dem türkischen Betonstahlsegment war keine Verbesserung zu verzeichnen. Verbraucher suchten aktiv nach Alternativquellen, um Lagerbestände aufzubauen. Einige Werke kauften heimische Knüppel zu, nachdem ein integriertes Werk aus der Region Karabük neben dem Betonstahl- auch seinen Knüppelverkauf eröffnete. Europäischen Verkäufern eröffnete sich die Möglichkeit, niedrigere Preise hinzunehmen, da der Euro Schwäche zeigte. Exporteure nahmen aber weiterhin eine klare und feste Haltung ein.

Ausblick
In ihrer Ratlosigkeit über den weiteren Verlauf des Schrottmarktes befragen Schrotthändler die KI, um valide Vorhersagen zu erhalten. Mehrere Befragungen führten zu unterschiedlichen Resultaten, von bestehenden Preisniveaus bis hin zu erhöhten Schrottpreisen zum Jahresende. Keine KI-Abfrage prognostizierte sinkende Preise. Dies mag an der Eingabe des Prompts liegen.

Das Meinungsbild von Branchenkennern geht von einem festen Markt aus. Allgemein stufen sie die Verfügbarkeit von Schrotten als begrenzt ein. An einige Sorten, wie beispielsweise an Stahlspäne der Sorte E5, ist nur schwer heranzukommen. Obwohl Gießereimaterialien auf den Stahlschrottmarkt drücken, stellt sich gegenwärtig die Verfügbarkeit von Tiefziehschrotten als besonders begrenzt dar. Auch wenn Sommerstillstände vor der Tür stehen, sehen Marktteilnehmer weiterhin einen festen Markt. Gedrosselte Produktionsmengen gehen mit geringerem Schrottaufkommen einher.

Händler sehen sich vermehrt Herausforderungen ausgesetzt. Marktteilnehmer fahren stoffstromfremde Mengen herunter, um sich auf das Kerngeschäft Schrotthandel zu konzentrieren. Schwierigkeiten, die operativen Prozesse umzusetzen, entsprechende Arbeitskräfte in die Betriebe zu holen, ein zunehmendes Aufkommen regulatorischer Hindernisse und neue Investitionsvorhaben machen diese Fokussierung notwendig.

Redaktionsschluss 17.06.2026, Johannes Hanke, bvse (Alle Zahlen ohne Gewähr), Foto: Dr. Jürgen Kroll