Gipsrecycling auf Wachstumskurs
Gipsrecycling gewinnt in Deutschland an Bedeutung. Nach Angaben des Bundesverbands der Gipsindustrie wurden 2024 rund 128.500 Tonnen Recyclinggips hergestellt.
Das Potenzial ist hierzulande noch nicht ausgeschöpft. Mit dem Kohleausstieg geht aber die Verfügbarkeit von REA-Gips zurück. REA-Gips entsteht als Nebenprodukt der Rauchgasentschwefelung von Kohlekraftwerken und war bislang neben Natur- und Recyclinggips Bestandteil der Rohstoffversorgung. Bereits 2024 wurde mit 2,9 Millionen Tonnen die ursprünglich für 2030 prognostizierte Menge an REA-Gips erreicht. Dipl.-Ing. Holger Ortleb, Geschaftführer des Bundesverbandes der Gipsindustrie und der Forschungsvereinigung der Gipsindustrie, warnt vor einer wachsenden Versorgungslücke: Ein Wegfall von REA-Gips, der über Jahrzehnte hinweg ein zentraler Bestandteil des deutschen Gipsrohstoffmixes war, würde die gesamte Wertschöpfungskette betreffen: vom Trockenbau über Estriche bis hin zu den Fundamenten von Windkraftanlagen.
Recycling kann Rohstofflücke nicht schließen
Von den 2024 statistisch erfassten 578.600 Tonnen an Gipsabfällen wurden rund 128.500 Tonnen zu Recyclinggips verarbeitet. Das entspricht 22,18 Prozent des erfassten Abfallaufkommens. Das tatsächlich nutzbare Potenzial wird vom Verband auf etwa 300.000 bis 400.000 Tonnen geschätzt. Der gewonnene Recyclinggips wird derzeit vollständig wieder in der verarbeitenden Industrie eingesetzt.
Besonders Gipsplattenabfälle eignen sich für die Aufbereitung. Auch bei vollständiger Ausschöpfung des Recyclingpotenzials würde die Menge nach Einschätzung des Verbands nicht ausreichen, um den wegfallenden REA-Gips zu ersetzen. Ein Grund dafür ist das Verhältnis von Neubau und Rückbau: 2022 wurden rund 295.275 Wohnungen neu gebaut, aber lediglich etwa 16.500 Wohnungen abgerissen oder umgewidmet. Hinzu kommt, dass Gipsplatten erst seit den 1980er Jahren in größerem Umfang eingesetzt werden. Umfangreichere Mengen an rückgewinnbarem Gips aus dem Gebäudebestand werden deshalb erst künftig erwartet.
(Erschienen im EU-Recycling Magazin 10/2026, Seite 31)












